Berlin (dpa) - China bedroht mit dem Aufkauf wichtiger Rohstoffe in Osteuropa und Zentralasien zunehmend die Versorgung deutscher Industriekonzerne.

Der Ost-Ausschuss der Wirtschaft forderte am Mittwoch die Bundesregierung auf, politisch aktiv zu werden und strategische Partnerschaften mit rohstoffreichen Ländern einzugehen.

«Die Chinesen können antizyklisch mit vollen Taschen handeln und auf Einkaufstour gehen. Sie nutzen dabei unsere vorübergehende Schwächephase durch die Wirtschaftskrise aus», sagte der scheidende Vorsitzende des Ost-Ausschusses, Klaus Mangold, am Mittwoch in Berlin.

China sei wie zuvor in Afrika nun mit Staatsgeld in Kasachstan oder Usbekistan unterwegs, um sich mit strategisch wichtigen Rohstoffen einzudecken. Dafür biete Peking langfristige Finanzierungen «quasi zum Nulltarif». Auch wollten die Chinesen mit Milliardeninvestitionen bei der geplanten Privatisierung russischer Staatsbetriebe mitmischen.

In Mittel- und Osteuropa erwartet die deutsche Exportwirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von über 20 Prozent. «Die meisten Länder bestellen wieder kräftig Waren 'Made in Germany'», sagte Mangold. Das Vorkrisenniveau von 2008 werde bei den Ausfuhren aber noch nicht erreicht. Bis auf Rumänien, Bulgarien und Kroatien hätten jedoch die meisten osteuropäischen Länder die Wirtschaftskrise überwunden.

Mäßig ist das Wachstum in Russland. Die Modernisierung des Landes gehe zu langsam voran, es fehle eine innovative Mittelschicht. Die Russen hätten den Anschluss an China, Indien und Brasilien verloren. «Russland muss mehr Wettbewerb zulassen und sich stärker für ausländische Investoren öffnen», forderte Mangold.

Der 67-jährige Ex-Daimler-Manager gibt nach zehn Jahren den Vorsitz im renommierten Ost-Ausschuss an Metro-Chef Eckhard Cordes ab. Aus dem Vorstand ziehen sich auch der frühere Eon Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann und der Chef der Deutsche Bank Stiftung, Tessen von Heydebreck, zurück. Neu in den Vorstand einziehen sollen die Aufsichtsratschefin des Landmaschinenherstellers Claas, Cathrina Claas-Mühlhäuser, Eon-Chef Johannes Teyssen, Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen sowie BASF-Vorstand Hans-Ulrich Engel.