Frankfurt/Main (dpa) - In Italien herrscht blankes Entsetzen, Serbien wittert eine politische Verschwörung und die Fußball-Welt ist geschockt: Die hässlichen Krawalle von Genua mit 16 Verletzten haben das sportliche Geschehen in der EM-Qualifikation in den Hintergrund gerückt.

Im Schatten der Vorfälle sorgten zwei deutsche Trainer für positive Schlagzeilen. Berti Vogts feierte mit Aserbaidschan einen sensationellen 1:0-Sieg gegen die Türkei und leistete der DFB-Auswahl damit Schützenhilfe, Ottmar Hitzfeld sitzt nach dem 4:1 der Schweiz gegen Wales wieder etwas sicherer auf dem Trainerstuhl der Eidgenossen. Keine Blöße gaben sich Weltmeister Spanien beim 3:2 in Schottland und Vize-Weltmeister Niederlande mit dem 4:1 gegen Schweden. Auch Frankreich steuert nach dem 2:0 gegen Luxemburg auf Endrundenkurs. Dagegen blamierte sich England mit einer trostlosen Nullnummer gegen das Überraschungsteam aus Montenegro.

«Die Polizei hat ein Blutbad verhindert», erklärte Italiens Innenminister Roberto Maroni nach den schweren Ausschreitungen und dem Abbruch der Partie zwischen der «Squadra Azzurra» und Serbien. Deren Verbandspräsident Tomislav Karadzic vermutete hinter den Gewaltexzessen eine gezielte Aktion rechtsextremistischer Hooligans: «Dies war kein Angriff auf unser Team, sondern auf unseren Staat.»

Den Kickern vom Balkan drohen nun harte Sanktionen der Europäischen Fußball-Union (UEFA), die umgehend ein umfassendes Ermittlungsverfahren einleitete. Am 28. Oktober wird die Kontroll- und Disziplinarkommission der UEFA über das Strafmaß entscheiden, das von einer Geldstrafe über ein Stadionverbot bis hin zum Ausschluss aus dem laufenden oder einem künftigen Wettbewerb reicht.

Ex-Bundestrainer Vogts genoss seinen größten Triumph als Trainer von Aserbaidschan in vollen Zügen. «Der Sieg hat eine große Bedeutung», frohlockte er nach dem 1:0 gegen die Türkei durch ein Tor von Räsad Sadiqov und verteilte ein überschwängliches Lob an seine Spieler: «Sie haben mit ihren Herzen gespielt.»

In der Türkei war der Katzenjammer dagegen groß. «Wir haben die Tickets für 2012 ins Feuer geworfen», schrieb die Zeitung «Fanatik». Wie schon bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 droht der Türkei bei der EM-Endrunde in zwei Jahren die Zuschauerrolle. «Diese Niederlage kann ich nicht akzeptieren», wetterte Trainer Guus Hiddink, der sich seines Jobs nicht mehr sicher sein kann.

Mit sechs Zählern aus vier Spielen rangiert die Türkei in der Gruppe A bereits sechs Punkte hinter dem DFB-Team. Österreich, das in Belgien zu einem Last-Minute-Unentschieden kam, hat bei einem Spiel weniger einen Punkt Vorsprung. «Solche Partien gibt es nur ganz selten im Fußball», befand der zweifache Torschütze Franz Schiemer nach dem spektakulären 4:4. Belgiens Coach Georges Leekens machte höhere Mächte für den in letzter Sekunde verpassten Sieg verantwortlich: «Die Österreicher müssen Gott danken. Normalerweise muss das Spiel 8:4 für uns ausgehen.»