Chemnitz (dpa) - Große Ehre für Chemnitz: Der von deutschen Kunstkritikern jährlich vergebene Titel «Museum des Jahres» geht 2010 an die städtischen Kunstsammlungen.

Die Entscheidung fiel schon auf der Mitgliederversammlung der deutschen Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbandes AICA am 7. Oktober, aber erst eine Woche später wurde sie nun offiziell verkündet. Inzwischen hat Generaldirektorin Ingrid Mössinger es schriftlich, dass den Kunstsammlungen nach der Wiedervereinigung eine «veritable Wiederauferstehung» mit «spektakulärer Ausstellungstätigkeit» gelungen ist.

Daran hat die gebürtige Schwäbin selbst beträchtlichen Anteil: Seit 14 Jahren führt die frühere Direktorin der Art Frankfurt und des Kunstvereins Ludwigsburg bereits das Museum. Zu ihren Coups gehört die weltweit erste Ausstellung von Aquarellen der Sängerlegende Bob Dylan. 120.000 Kunstfans hatten 2002/03 die Schau «Picasso und die Frauen» gestürmt. Mössinger zeigte auch «Edvard Munch in Chemnitz» und «Ernst Ludwig Kirchners Deutschlandreise».

Zudem konnte die engagierte Kunsthistorikerin die Privatsammlung des Münchner Galeristen Alfred Gunzenhauser auf Dauer nach Chemnitz holen. Die wird bereits seit knapp drei Jahren in einem eigens zum Museum umgebauten früheren Sparkassengebäude präsentiert. Schon deshalb galt manchen der Preis für Chemnitz als überfällig. Doch für das einmütige Votum der etwa 40 Kunstkritiker gab es einen aktuellen Anlass: Erst vor drei Monaten wurde die Ausstellungsfläche im König-Albert-Museum verdoppelt.

Damit haben die Kunstsammlungen bessere Möglichkeiten zur Präsentation des eigenen Bestandes, zu dem auch die weltweit zweitgrößte Kollektion des Brücke-Mitbegründers Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976) gehört. Mössinger legt freilich auch großen Wert auf Zeitgenössisches. «Jede Epoche bringt eigene Kunst hervor.» Neugierde treibt sie an - und Optimismus. «An jedem Ort ist es möglich, Höchstqualität zu zeigen», sagt sie. Chemnitz, in Sachsen oft im Schatten von Dresden und Leipzig stehend, sei zu DDR-Zeiten ideologisch auf die Rolle als Industriestadt beschränkt worden. «Aber die Stadt ist 850 Jahre alt».

An ihrer Arbeit wird der Preis wohl nichts ändern. «Wir tun sowieso das Bestmögliche. Das ist vor allem eine Frage der Haltung», sagt sie. Dazu gehört es auch, nicht ständig vor Budget-Engpässen zu warnen. Zwar weist auch Mössinger darauf hin, dass man Aufgebautes auch wieder einreißen könne und die «Strahlkraft des Museums» Kürzungen durch die Kommunalpolitik als unvernünftig erscheinen ließen. Sie verfolgt dennoch weiter Ausbaupläne für ihr Museum - ungeachtet der Debatte um drastische Einschnitte auch für die Chemnitzer Kultur. «Ich sehe immer ein halbvolles Glas.»

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