Berlin (dpa) - IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel hat ein staatliches Eingreifen bei der Übernahmeschlacht um den Essener Baukonzern Hochtief gefordert: «Die Kanzlerin hat viel zu lange tatenlos zugesehen und Brüderle das Feld überlassen.»

«Jetzt muss sie den Essenern bei ihrem Abwehrkampf schnell helfen», schreibt der Vorsitzende der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt in einem Gastbeitrag für die «Bild am Sonntag». Wiesehügel warnte vor den Folgen einer Übernahme durch den spanischen Konzern ACS für Hochtief. «Hat ACS erst das Sagen, droht die Zerschlagung eines kerngesunden Unternehmens. Dann sind die Arbeitsplätze weg und wichtiges Know-how geht verloren.»

Er forderte eine Änderung des deutschen Übernahmegesetzes. «Heuschrecken und schlechte Konzerne können nur hier gute Betriebe zu Schnäppchenpreisen übernehmen. Da muss die Regierung sofort nachbessern und Unternehmen wie Hochtief vor unfairen Angriffen schützen.»

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» ist das Kanzleramt stärker mit dem Übernahmekampf befasst als bisher bekannt. So sei Hochtief-Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter bereits zweimal zu Gesprächen mit dem Wirtschaftsberater der Regierung im Kanzleramt gewesen.

Die Politik diskutiert über eine Änderung des deutschen Übernahmegesetzes. Das Land Nordrhein-Westfalen prüft eine entsprechende Bundesratsinitiative. Für Hochtief könnte ein Gesetz allerdings zu spät kommen. Der Darmstädter Wirtschaftsrechtler Uwe Schneider sagte der «Wirtschaftswoche», nur durch eine Gesetzesänderung seien feindliche Übernahmen deutscher Unternehmen zu verhindern. Auch der Hauptverband der Bauindustrie drängte laut «Spiegel» in einem Brief an das Wirtschaftsministerium darauf, Schutzlücken im Gesetz zu schließen.

Dagegen sieht der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Joachim Pfeiffer (CDU), keinen Handlungsbedarf. «Wer Aktien kauft, hat Risiko und Chance. Eine Übernahme kann sich hierbei sowohl positiv als auch negativ auswirken», sagte er der Wirtschaftszeitung «Euro am Sonntag».

Am Freitag hatte das ACS-Kontrollgremium für den 19. November eine außerordentliche Aktionärsversammlung beschlossen. ACS bereite sich auf alle Eventualitäten vor und sichere das Übernahmeangebot gegen jegliche Abwehrmaßnahmen von Hochtief ab, teilte das Unternehmen mit. Bis zu 50 Prozent neue Aktien sollten auf den Markt gebracht werden. Das könnte einen kleinen Milliardenbetrag ergeben. Ursprünglich wollte ACS der deutschen Finanzaufsicht Bafin das Übernahmeangebot bis zum 14. Oktober vorlegen, auf Wunsch der Spanier wurde die Frist dann aber um vier Wochen verlängert.