Frankfurt/Main/Berlin (dpa) - Der Tarifkompromiss für die Air-Berlin-Piloten ist nach Angaben der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit an einem Streit bei der Ausformulierung des Vertragswerks gescheitert.

Das Unternehmen sei nach dem Abschluss Ende August vom Geist der Einigung abgerückt, sagte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg. Die Mitglieder hätten sich bei der Ablehnung des Vorschlags somit nicht gegen die eigene Tarifkommission gestellt, die den Kompromiss ausgehandelt hatte. Air Berlin wies die Gewerkschaftsvorwürfe zurück.

Die Fluggesellschaft sei damals durchaus bereit gewesen, die getroffenen Tarifvereinbarungen umzusetzen, sagte Air-Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Die Tarifkommission habe aber während der Redaktionsarbeit in den Vertrag neue Forderungen eingearbeitet.

In einer am Freitag ausgelaufenen Urabstimmung hatten die Piloten den Tarifkompromiss mit großer Mehrheit abgelehnt. Nach Angaben von Air Berlin sind nun neue Gespräche mit der Gewerkschaft für Anfang November vereinbart. Man gehe davon aus, dass es deshalb zunächst zu keinen Streiks kommen werde. In Tarifauseinandersetzungen ist es äußerst selten, dass ein bereits gefundener Kompromiss mit einer späteren Urabstimmung von den Mitgliedern gekippt wird.

Bei Air Berlin und der 2007 hinzugekauften Düsseldorfer LTU arbeiten rund 1200 Piloten. Der ursprüngliche Tarifkompromiss sollte eine schrittweise Angleichung von Arbeitsbedingen der Air-Berlin- Piloten an das bessere Niveau der Tochtergesellschaft LTU bis 2013 bringen. Er regelte unter anderem Urlaub, die Zahl freier Tage und Dienstplanmodelle. Auch hatten sich beide Seiten darauf geeinigt, zum Sommerflugplan 2011 die Crew auf ausgewählten, besonders weiten Langstreckenflügen durch einen dritten Piloten zu verstärken.