Barcelona (dpa) - Ex-Barça-Boss Joan Laporta droht unter dem Vorwurf des Missmanagements beim spanischen Fußballmeister ein Gerichtsprozess.

In einer in Spanien bislang einmaligen Entscheidung votierten die Mitglieder des hochverschuldeten FC Barcelona mit 29 Stimmen Mehrheit dafür, den früheren Clubchef (2003-2010) zu verklagen. Der Antrag bekam 468 Ja- und 439 Nein-Stimmen.

Der 48-jährige Laporta und sein Vorstand sollen wegen nicht deklarierter Verluste von knapp 48 Millionen Euro in dessen Amtszeit zur Rechenschaft gezogen werden. Dazu zählen Ausgaben für Luxusrestaurants oder Flüge im Privatjet. Laporta schien zu ahnen, dass etwas auf ihn zukommen könnte: Er schloss eine Versicherung ab, die ihn mit bis zu 25 Millionen Euro vor etwaigen Forderungen schützt.

«Das ist die schwierigste Entscheidung in der Geschichte des Clubs», sagte Laportas Nachfolger Sandro Rosell, der sich wie 112 weitere Mitglieder der Stimme enthielt. Er warf seinem Vorgänger eine «Kultur des Verschwendens» vor. Es gebe aber keinerlei Indizien dafür, dass Laporta oder jemand aus dem Vorstand in die eigene Tasche gewirtschaftet habe, hieß es.

Rosell hatte nach Laportas Abgang im Juni eine neue Buchprüfung beantragt. Diese brachte ans Licht, dass der Verein von Weltfußballer Lionel Messi weitaus tiefer in den roten Zahlen steckt als bislang bekannt war.

Allein im vergangenen Geschäftsjahr habe der Club einen Verlust von 79,6 Millionen Euro gemacht, sagte der neue Vereinspräsident. Sein Vorgänger hatte dagegen einen Gewinn von 11,1 Millionen Euro angegeben. Der Club werde drei Jahre brauchen, um sich finanziell zu sanieren, sagte Rosell weiter.

So haben sich nach Angaben der Buchprüfer die Nettoschulden des FC Barcelona während der Amtsführung Laportas in den vergangenen zwei Jahren auf rund 430 Millionen Euro verdoppelt. In der vorigen Saison hatte der Club rund 100 Millionen Euro für Neuzugänge ausgegeben.