Donaueschingen (dpa) - Die Donaueschinger Musiktage verstehen sich als Forschungslabor der Musik. In diesem Jahr experimentierte das renommierte Festival im Reagenzglas: Statt der großen Bühne konzentrierte es sich auf die leisen Töne - und setzte einen Gegenakzent zu den Vorjahren.

Vor einem Jahr hatten die Komponisten in Donaueschingen noch ganze Musikgruppen durch die Stadt marschieren lassen - diesmal gab es keine spektakulären Aktionen. Die Musiktage konzentrierten sich auf den Kern: Statt für die Augen gab es vor allem etwas für die Ohren.

Das drei Tage dauernde Musikfestival in der Schwarzwald-Kleinstadt Donaueschingen, das am Sonntag zu Ende ging, wurde dennoch seinem Ruf gerecht. Zu den 22 Uraufführungen - sechs mehr als im Vorjahr - kamen rund 10 000 Konzertbesucher. Donaueschingen ist das weltweit älteste und bedeutendste Festival für Neue Musik.

Mit dem Streichquartett machten die Musiktage die bedeutendste Gattung der Kammermusik zu ihrem Schwerpunkt. Es wurde experimentiert mit der Königsklasse und zugleich der bürgerlichsten Gattung der Musik. Die Spielräume der Komponisten war dadurch eingeschränkt.

Der Versuch ist dennoch gelungen. Mehrere international bekannte Ensembles hauchten dem Streichquartett neues Leben ein, beispielsweise durch elektronische Musikelemente oder durch moderne Technik. Computer und Spezialmikrofone entlockten den Streichinstrumenten neue, ungewohnte Töne. «Es war, in der Gesamtbilanz betrachtet, eine äußerst ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Streichquartett und seiner Zukunft», sagte der Hörfunkdirektor des Südwestrundfunks (SWR), Bernhard Hermann.

Der Komponist Pascal Dusapin setzte nicht auf Technik. Mit seinem neuen Werk «Quatuor VI, Hinterland» brachte er erstmals Streichquartett und Symphonieorchester zusammen. Obwohl in der Minderheit, ging das Quartett in dem monumentalen Konzert nicht unter, konnte sich vielmehr als tragender Bestandteil des musikalischen Ganzen präsentieren.

Ein Höhepunkt war die posthume Uraufführung von «Arc-en-ciel» des 1979 gestorbenen Komponisten Ivan Wyschnegradsky, eine Komposition für sechs Flügel. Diese bildeten die Grundlage für «Concerto grosso», ein Werk von Georg Friedrich Haas. Er ließ die sechs Konzertflügel mit jeweils einem Zwölftelton Unterschied zueinander stimmen. Das Ergebnis war ein ungewöhnliches Klangrauschen, das nicht jeden Besucher begeisterte.