Stuttgart (dpa) - Der für das kommende Jahr geplante Zusammenschluss von Porsche und Volkswagen droht sich zu verzögern. Im Extremfall könnte es sich noch mehrere Jahre hinziehen, bis Porsche komplett unter der Fittiche des VW-Konzerns steht.

In Gefahr sei die Vereinigung beider Autobauer aber nicht, betonte Porsche-SE-Chef Martin Winterkorn am Dienstag in Stuttgart. «Der integrierte Automobilkonzern wird umgesetzt.» Grund für eine Verzögerung könnten die noch immer schwelenden juristischen Auseinandersetzungen in den USA und Deutschland nach der verlorenen Übernahmeschlacht mit VW sein, sagte Winterkorn. Investmentfonds in den USA streben Milliarden-Dollar-Schadenersatz an, weil sie Falschinformationen vermuten.

Zu einer Verschiebung des ursprünglichen Zeitplans könnte es nach Angaben von Porsche-SE-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch auch kommen, weil die steuerliche und rechtliche Prüfung noch nicht abgeschlossen sei.

«Unser erklärtes Ziel ist und bleibt die Verschmelzung», betonte Winterkorn. Dabei ist geplant, die Volkswagen AG mit der Dachgesellschaft Porsche Automobilholding SE zu verschmelzen. Sollte dies nicht gelingen, haben sich die Autobauer ein Hintertürchen offengehalten, um Porsche auf anderem Wege komplett in den VW-Konzern zu integrieren.

Europas größter Autobauer kann im Fall der Fälle auch die restlichen 50,1 Prozent der Anteile am Porsche-Sportwagengeschäft übernehmen, bisher hält VW 49,9 Prozent. Dies wäre aber erst im Zeitraum zwischen dem 15. November 2012 und 31. Januar 2015 möglich.

Die Stuttgarter hatten sich bei der ursprünglich geplanten Übernahme von VW verhoben und sollen nun schrittweise in den VW-Konzern integriert werden. Wegen der verlorenen Übernahmeschlacht kämpft Porsche juristisch an zahlreichen Fronten. Die Stuttgarter hatten sich mit schwer durchschaubaren Aktiengeschäften 2008 die Mehrheit an Volkswagen gesichert und dabei erdrutschartige Aktienkursbewegungen ausgelöst.

In den USA hat eine Gruppe von Investmentfonds wegen angeblicher Falschinformationen und Marktpreismanipulation gegen die Schwaben geklagt. Es geht um mehrere Milliarden US-Dollar Schadenersatz. Mitte Januar will das Gericht entscheiden, ob es die Klage zulässt. Sollte dies der Fall sein, droht Porsche ein jahrelanger Rechtsstreit.