Mannheim (dpa) - Finanzexperten haben ihre Konjunkturerwartungen zum sechsten Mal in Folge heruntergeschraubt und stellen ein abgeschwächtes Wachstum in Aussicht. Das geht aus dem am Dienstag in Mannheim vorgelegten Konjunkturbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW/Mannheim) hervor.

Danach gingen die Erwartungen für die kommenden sechs Monate im Oktober leicht um 2,9 Punkte auf minus 7,2 Punkte zurück - sie lagen damit deutlich unter dem dem historischen Mittelwert von 27,0 Punkten.

Die Fachleute bewerteten die aktuelle wirtschaftliche Lage allerdings erneut deutlich besser als im Vormonat: Der entsprechende Indikator sprang um 12,7 Punkte auf 72,6 Punkte.

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich in den jüngsten Zahlen zur Industrieproduktion und zu den Auftragseingängen «robust», wie das ZEW erklärt. Sie habe sich in den vergangenen Monaten mit außergewöhnlich hohen Wachstumsraten von der Wirtschaftskrise erholt. Die Mehrheit der Befragten erwarte aber nun eine Abgeschwächung des Wachstums. Risiken bestehen weiter durch die schwache wirtschaftliche Dynamik in den USA und anderen Euroländern.

Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone gingen ebenfalls zurück: Sie sanken im Oktober um 2,6 Punkte auf 1,8 Punkte. Der Indikator für die aktuelle Lage im Euroraum verbesserte sich dagegen um 5,2 Punkte auf minus 1,1 Punkte. An der Befragung haben laut ZEW 282 Analysten und institutionelle Anleger teilgenommen.

Die Commerzbank führte den Rückgang der ZEW-Konjunkturerwartungen wie auch andere Experten vor allem auf die sehr positive Lagebeurteilung zurück. Angesichts der sehr guten Lage erscheine eine weitere Verbesserung nur schwer möglich. Auch die Commerzbank geht von einer langsameren Gangart der deutschen Konjunktur aus. Mit einem Absturz sei indes nicht zu rechnen. Dies dürfte auch das am Freitag anstehende Ifo-Geschäftsklima signalisieren, hieß es in einer am Dienstag vorgelegten Studie der Bank.

Laut Postbank genießt die deutsche Wirtschaft mit Blick auf die extrem positive Lagebeurteilung weiterhin eine Sonderstellung. Die Bonner Bank erwartet, dass die deutsche Wirtschaft auch im dritten Quartal robust wachsen wird. Erst im Winterhalbjahr sei mit einer Abschwächung zu rechnen.