Zürich (dpa) - Schadensbegrenzung oder Flächenbrand? Der Fußball-Weltverband FIFA bemüht sich am 20. Oktober um die interne Aufarbeitung eines noch nicht absehbaren Skandals in den eigenen Reihen.

Vier Tage nach Bekanntwerden von Korruptionsvorwürfen gegen zwei FIFA-Exekutivmitglieder tagt die Ethikkommission des Verbandes. In der FIFA-Zentrale in Zürich wird das Gremium unter dem Vorsitz des Schweizers Claudio Sulser den Nigerianer Amos Adamu und Reynald Temarii aus Tahiti anhören. Beide sollen verdeckt recherchierenden Reportern signalisiert haben, ihre Stimmen bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 zu verkaufen. Nach dem Treffen der Ethikkommission plant die FIFA eine Pressekonferenz.

Temarii wiederholte in einem Gespräch mit dem Internetportal «insideworldfootball.com», «zu 100 Prozent» integer zu sein. «Ich bin unschuldig», sagte er und betonte, dies vor der Ethikkommission beweisen zu können und nicht zurücktreten zu wollen. Adamu gab zuvor keine Details eines Gesprächs mit FIFA-Präsident Joseph Blatter preis. Im Fokus stehen auch andere, noch nicht genannte FIFA-Offizielle sowie Nationalverbände und Bewerbungskomitees.

Die Aufarbeitung des Falls wird vorerst in den Händen der FIFA bleiben, strafrechtliche Konsequenzen haben Temarii und Adamu zumindest in der Schweiz nicht zu fürchten. Nach übereinstimmenden Schweizer Medienberichten genießt die FIFA wie auch andere in der Schweiz ansässige Sportverbände einen Sonderstatus. Demnach sind Verbandsverantwortliche von der 2006 eingeführten Strafbarkeit bei Personen der Privatwirtschaft ausdrücklich ausgenommen.

Das war früher anders: Im Zusammenhang mit dem Konkurs der Sportmarketing-Gruppe ISL 2001 hatte die Zuger Staatsanwaltschaft auch ein Verfahren gegen hochrangige FIFA-Funktionäre eröffnet, die Millionen an Bestechungsgeldern erhalten hatten. Dieses Verfahren wurde im Sommer 2010 eingestellt, nachdem die Beteiligten eine Millionen-Wiedergutmachung bezahlt hatten.

Das Exekutivkomitee vergibt beide WM-Turniere am 2. Dezember in Zürich. Eine Verschiebung der Entscheidung sei trotz der Vorwürfe nicht geplant, hieß es von FIFA-Seite. Nach Informationen der britischen Nachrichtenagentur PA sollen aber «innere Kreise» über eine spätere WM-Vergabe geredet haben. FIFA-Chef Blatter hatte zuvor alle Exekutivmitglieder, unter ihnen Franz Beckenbauer, zum Schweigen verdonnert.

Öffentlich gemacht hatte den neuen Skandal im mächtigen Verband die «Sunday Times», deren Reporter Temarii und Adamu mit versteckter Kamera gefilmt hatten. Seine Aussagen seien aus dem Kontext gerissen worden, erklärte Temarii. «Man hört nur 15 Sekunden, vielleicht sollte man die gesamten 45 Minuten hören.» Die Journalisten hatten sich als amerikanische Geschäftsleute ausgegeben, die die Weltmeisterschaft 2022 in die USA holen wollten.