Luxemburg (dpa) - Die Europäische Union nimmt erstmals hochspekulative Hedge-Fonds an die Leine. Die EU-Finanzminister einigten sich am Dienstag in Luxemburg auf gemeinsame Richtlinien. Fondsmanager müssen sich damit registrieren lassen und Risiken sowie Anlagestrategien offenlegen.

«Das ist ein echter Fortschritt», sagte der belgische Ressortchef Didier Reynders, der die zähen Verhandlungen leitete. Sein schwedischer Amtskollege Anders Borg sagte: «Der Sektor ist nun unter Kontrolle.» Deutschland begrüßte die Abmachung, die auch für Manager von Kapitalbeteiligungsfirmen (Private Equity) gilt. Der Kompromiss muss nun noch vom Europaparlament gebilligt werden.

Frankreich und Großbritannien hatten lange gebremst. Dabei ging es um die Frage, wie mit Hedge-Fonds und deren Managern umgegangen werden soll, die beispielsweise in den USA oder der Karibik beheimatet sind.

Der europäische Kompromiss legt nun fest, dass Manager aus Drittstaaten auch einen «EU-Pass» für die gesamte Union erhalten können - aber erst von 2015 an. Für europäische Manager wird es den Pass bereits zwei Jahre früher geben. «Das ist keine Diskriminierung», sagte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier.

Bundesfinanzstaatssekretär Jörg Asmussen resümierte, auf europäischer Ebene seien Manager von alternativen Investmentfonds bislang «unbeaufsichtigt» gewesen, während man in Deutschland bereits Regeln verankert habe. In Deutschland gebe es Spezialfonds mit einem Vermögen von 720 Milliarden Euro und offene Immobilienfonds mit einem Vermögen von 110 Milliarden Euro. «In Zukunft können Manager von solchen Fonds eine EU-weite Zulassung erhalten durch die jeweilige nationale Aufsichtsbehörde, und sie werden fortlaufend beaufsichtigt.»

Asmussen zeigte sich zuversichtlich, dass die Regeln der Europäer bis zum G20-Treffen Mitte November im südkoreanischen Seoul in trockenen Tüchern sind. «Wir werden das rechtzeitig schaffen.» Die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) hatten vereinbart, dass kein Sektor an den Finanzmärkten unbeaufsichtigt bleiben soll.

Die EU hatte vor einigen Wochen ihre neue Finanzmarktaufsicht unter Dach und Fach gebracht, die zum kommenden Jahreswechsel stehen soll. Eine neue Behörde des neuen Systems, die EU-Börsenaufsicht in Paris (ESMA), wird auch bei der Hedge-Fonds-Kontrolle eine wichtige Rolle spielen, wie die französische Ressortchefin Christine Lagarde sagte. Das EU-Aufsichtspaket muss aber deswegen nicht mehr geändert werden.