Manchester (dpa) - Mit seinen plötzlichen Abschiedsplänen hat Englands Stürmerstar Wayne Rooney seinen Ziehvater Sir Alex Ferguson schwer getroffen. Der 24-Jährige habe gebeten, gehen zu dürfen, sagte der Erfolgscoach von Manchester United.

«Wir sind genauso irritiert wie alle anderen. Wir können nicht ganz verstehen, warum er uns verlassen will», sagte Ferguson. Der Grund dürfte aber auch beim Trainer selbst liegen. Ferguson hatte den Nationalspieler, der für United in 194 Spielen 92-mal getroffen hatte, zuletzt nicht nur wegen ausgebliebener Tore, sondern auch wegen Rooneys turbulenten Privatlebens kritisiert.

Rooney, 2004 als 18-Jähriger vom FC Everton gekommen und dort fast zum Volkshelden aufgestiegen, hat seit März kein Tor mehr aus dem Spiel heraus für Manchester erzielt. Auch bei der WM in Südafrika hatte der bullige Stürmer im Dress der englischen Nationalmannschaft mehr oder weniger versagt. Dass Ferguson Rooney wiederholt auf die Bank verbannte, hatte jedoch nicht nur mit dessen Torflaute zu tun. Rooney war wochenlang Thema auf den Titelseiten britischer Boulevardmedien, weil er seine Frau Coleen mit zwei Prostituierten gleichzeitig betrogen haben soll. Ferguson schob eine Knöchelverletzung vor, von der Rooney selbst aber nichts wissen wollte.

Der Trainer glaubt nicht, dass er selbst der Hauptgrund für Rooneys plötzlichen Sinneswandel war. «Wir hatten kein bisschen Streit», sagte er. Noch im Frühjahr hatte Rooney gesagt, er wolle sein ganzes Leben bei Manchester United bleiben, es sei für ihn «der größte Club der Welt». Außerdem wolle er mit seiner Familie nicht umziehen. «Wir haben alles für Wayne Rooney getan, von der ersten Minute an, als er zu diesem Club kam», sagte ein sichtbar maßlos enttäuschter Ferguson. «Wir waren wie ein Hafen für ihn.»

Ferguson glaubt viel mehr, dass es die Berater des Stürmerstars sind, die ein Wörtchen mitreden - und mitverdienen wollen. Rooneys Salär beim 18-maligen englischen Meister wird auf 100 000 bis 130 000 Pfund taxiert - pro Woche. Beim von Ölscheichs aufgekauften Lokalrivalen Manchester City verdienen Superstars wie Yaya Touré oder James Milner das Doppelte. Angeblich will der Lokalrivale 113 Millionen Pfund für Rooney auf den Tisch legen - die Hälfte als Ablöse, die andere Hälfte als Gehalt - wie der «Daily Mirror» erfahren haben will.

Obwohl bei ManCity Rooneys alter Kumpel Carlos Tevez aktiv ist, ist bisher völlig unklar ob der Stürmer - er könnte in der nächsten Transferphase im Januar verkauft werden - überhaupt in seiner nordenglischen Heimat bleiben will. Sein Vertrag bei United läuft bis Sommer 2012. In den vergangenen Tagen war er mit Real Madrid in Verbindung gebracht worden. Allerdings winkte Real-Generaldirektor Jorge Valdano bereits ab. Im Winter werde es weder Zu- noch Abgänge von Stürmern bei den «Königlichen» geben. Carlos Ancelotti, Trainer des FC Chelsea sagte: «Wenn ManUnited ihn wirklich verkaufen will und er auf dem Markt ist, wären nicht nur Chelsea, sondern auch jede Menge anderer Teams interessiert.»