Sarajevo/Belgrad (dpa) - Hollywood-Superstar Angelina Jolie darf ihren Debütfilm als Regisseurin jetzt doch in Bosnien-Herzegowina drehen. Das berichteten Medien in Sarajevo unter Berufung auf die Behörden, die ursprünglich ihre Drehgenehmigung zurückgezogen hatten.

Zur Begründung hatte es damals geheißen, die Liebesgeschichte zwischen einer vergewaltigten Frau und dem Täter sei nicht akzeptabel und könne Opfern sexueller Gewalt weitere emotionale Leiden zufügen. Der Liebesfilm spielt in der Zeit des bosnischen Bürgerkrieges (1992-1995). Die Zeitung «Blic» in Belgrad berichtete über angebliche Einzelheiten aus dem geheimen Drehbuch des Films: Demnach verliebt sich ein serbischer Soldat während des Krieges in ein muslimisches Mädchen, das er vor serbischen Verfolgern in Sicherheit bringt. Nach vielen Kriegsschrecken gewinnt bei dem Serben aber der Hass die Oberhand, so dass er seine neue Freundin umbringt, berichtete «Blic» weiter.

Am Ende stelle er sich den internationalen Friedenstruppen als Kriegsverbrecher. Nachdem diese Einzelheiten aus dem Filmskript bekanntgeworden seien, habe Neu-Regisseurin Jolie alle Mitwirkenden bei Strafandrohung zu striktem Stillschweigen verpflichtet, hieß es.

Jolie hatte die Dreharbeiten zu ihrem Film, der noch keinen Titel besitzt, im benachbarten Ungarn begonnen. Der Streifen soll im November in Bosnien fertig gedreht werden, nachdem die Behörden ihre Einwände nun doch zurückstellten. Im Bürgerkrieg waren 100 000 namentlich bekannte Menschen getötet worden. Massenvergewaltigungen zur Demoralisierung des Gegners waren an der Tagesordnung.

Jolie hatte zu Ostern Anfang April gemeinsam mit ihrem Ehemann Brad Pitt erstmals Bosnien besucht. Das Glamourpaar besichtigte Flüchtlingslager und machte Vertriebenen Mut. Jolie ist Botschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR.