Newport (dpa) - Desaster für Golf-Superstar Tiger Woods - elektrisierendes Comeback von Martin Kaymer mit dem Team Europa beim 38. Ryder Cup in Wales: Wie im Rausch übernahm das Team von Colin Montgomerie nach dem Regenchaos am Sonntag gegen Titelverteidiger USA mit 9,5:6,5 erstmals die Führung.

Nach dem 4:6-Rückstand am Samstag sind vor den auf Montag verlegten 12 Einzeln die Chancen sprunghaft gestiegen, der Auswahl von Kapitän Corey Pavin nach 2008 den Titel wieder abzujagen. Erstmals seit 1927 wurde das Prestigeturnier auf vier Tage ausgedehnt.

Kaymer trifft im Einzel auf Dustin Johnson. Kapitän Montgomerie setzte den bisher ungeschlagenen Major-Sieger aus Mettmann auf Position vier. Im Eröffnungsduell trifft Lee Westwood auf Steve Stricker. Tiger Woods spielt nach der höchsten Niederlage seiner Karriere im achten Match gegen den Italiener Francesco Molinari.

«Wir können gar nicht schnell genug die Einzelauslosungen abwarten. Hoffentlich kommen genauso viele Fans, um uns zu unterstützen. Meinen ersten Ryder Cup hier zu spielen - und dass noch mit diesen wunderbaren Enthusiasten - es ist einfach super gut», meinte Kaymer vor der Bekanntgabe der Paarungen. «Jeder will dabei sein, und dann gehen wir raus und holen den Cup.»

Kaymer steuerte im Celtic Manor Resort als immer noch ungeschlagener Debütant in der letzten Hängepartie der sechs Vierer bisher 2,5 Punkte aus drei Matches bei. Mit dem Engländer Ian Poulter hatte er Phil Mickelson/Rickie Fowler im Fourballs-Match mit 2&1 besiegt. Allerdings gelang dem Weltranglisten-6. kein Birdie, während Poulter gleich fünf gewinnbringende glückten. Auch der Weltranglisten-Zweite Mickelson lochte die kürzesten Putts nicht.

Begleitet vom Jubel der 45 000 entfesselten Zuschauer schlich Tiger Woods wie ein begossener Pudel völlig demoralisiert vom 13. Grün, wo seine Pleite schon besiegelt war. Es war die höchste Niederlage seiner Ryder Cup-Karriere: 6 down leuchtete es für das triumphierende englische Duo Lee Westwood/Luke Donald gegen den immer noch besten Spieler der Welt auf. Wortlos trollte sich der 34-jährige Sportmilliardär mit seinem Partner Steve Stricker durch den tiefen Morast der aufgeweichten Grüns.

Montgomeries emotionsgeladene Ansprache nach dem 4:6 am Freitag im Clubhaus hatte den Knoten platzen lassen. «Wir müssen die Zuschauer elektrisieren, für uns begeistern. Mir fehlt die Eigendynamik im Team. Bei einem Heimspiel machen die Fans mindestens 66 Prozent der Punkte aus. Geht raus und reißt alle mit», hatte der 47-jährige Schotte gefordert - und den richtigen Ton getroffen.