Geelong (dpa) - In der bizarren Doping-Affäre um Alberto Contador soll der dreimalige Toursieger offenbar von höchster Stelle geschont werden. Nach Spekulationen der spanischen Zeitung «El País» könnte der Rad-Weltverband UCI den Madrilenen nur mit einer dreimonatigen Sperre bis November belegen.

Der Fall solle so schnell und geräuschlos wie möglich ad acta gelegt werden - ein «Kuhhandel», von dem beide Seiten profitieren könnten. Contador bestätigte im dänischen Fernsehsender TV 2 geheime Absprachen mit der UCI, die immer mehr ins Zwielicht gerät. «Die UCI bat mich, niemandem etwas zu sagen. Es schien alles in Ordnung, und ich bin davon ausgegangen, dass der Fall intern geregelt wird. Wegen der vereinbarten Vertraulichkeit hatte ich auch Bjarne Riis nicht informiert», sagte Contador, der seinen verdutzten neuen Mannschaftsleiter Riis in der Vorwoche vor vollendete Tatsachen stellte. Sollte der Spanier regulär zwei Jahre gesperrt werden, stünde der Saxo-Bank-Sungard-Teamchef 2011 ohne Topfahrer da.

Mehrere spanische Medien berichteten am Wochenende, UCI-Chef Pat McQuaid habe gegenüber Carlos Castaño, dem Präsidenten des Königlichen Spanischen Verbandes, behauptet, man sei auf der Suche nach einer diskreten Lösung. Innerhalb der nächsten acht bis zehn Tage solle die peinliche Angelegenheit vom Tisch sein, habe der Ire am Rande der Straßen-WM in Australien im internen Kreis mitgeteilt. «Wir sagen zu diesen Spekulationen nichts», erklärte UCI-Sprecher Enrico Carpani.

Die mögliche Sperre könnte vom 24. August an gelten - an dem Tag erhielt Contador von der UCI Kenntnis von der positiven Probe - und am 24. November enden. Damit würde der Spanier, bereits in den Ferien, in der Vorbereitung auf die neue Saison keine Zeit verlieren. Abgesehen von weiterem Imageverlust wäre der Schaden für Contador - ebenso wie die bei ihm gefundene Menge des Kälbermastmittels Clenbuterol - minimal.

Bei einer derartigen Regelung bestünde für die UCI allerdings Rechtfertigungsbedarf gegenüber der Welt-Anti-Doping-Agentur. Die WADA wertet Clenbuterol im Körper - ein Grenzwert existiert nicht - als Doping-Vergehen, das im Fall Contador eine Zweijahressperre nach sich ziehen muss. «Es wird keinen Fall Contador geben. In einigen Tagen legen wir die Angelegenheit zu den Akten.» So hatte «El País» McQuaid am Samstag zitiert. WADA-Generaldirektor David Howman warnt davor, trotz der winzigen gefundenen Menge von 50 Picogramm Clenbuterol, den Fall herunterzuspielen. Am Rande der Commonwealth-Spiele in Indien sagte er, eine geringe Menge «bedeutet nicht, dass nicht betrogen wurde».

Nur das Durchsickern der Testergebnisse an die Presse hätte dazu geführt, dass das Problem nicht wie «geplant» intern gelöst werden konnte, schrieb das Blatt weiter. Die ARD hatte McQuaid am Mittwoch mit den Erkenntnissen eines positiven Clenbuterol-Befundes konfrontiert. Der oberste Repräsentant des Radsports hatte erklärt, von nichts zu wissen - um den Fall wenige Stunden später in einer Presseerklärung publik zu machen.

Inzwischen hatten ARD und die «L'Equipe» die Vorwürfe ausgeweitet und von Indizien gesprochen, die bei Contador Blutdoping nahelegten. Nach Informationen der ARD-«Sportschau» könnten 480 Nanogramm Rückstände eines sogenannten Platicisers aus den Plastikbeuteln reinfundierter Blutkonserven bei Contador stammen. Auf Anfrage erklärte Contador dazu: «Diese Werte wurden mir von der UCI nie mitgeteilt.» Sein Sprecher Jacinto Vidarte nannte die Vorwürfe des Bludopings «Science Fiction».