München (dpa) - Die einen kommen im Abendkleid, die anderen im Dirndl: Sogar bei einer Premiere im Opernhaus ist die bayerische Tracht seit neuestem salonfähig, zumindest zum Oktoberfest. Dirndl und Lederhose, soweit das Auge reicht.

Die Schweizerin Michelle Hunziker wechselte am Ende von «Wetten, dass..?» in München vom Minikleid in die Tracht, die Olympiabotschafterin Kati Witt wirbt im Dirndl für die Winterspiele 2018 in München, Firmenvorstände erscheinen in Trachtenjacke mit Hirschhornknöpfen und die chinesische Vize-Generalkonsulin lässt sich im - wenngleich geliehenen - Berchtesgadener Mieder für die «Süddeutsche Zeitung» fotografieren.

«Die Tracht marschiert», sagt Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl freudig. Auch der Präsident des Münchner Festrings, Karl-Heinz Knoll, Organisator des großen Trachtenumzugs, ist zufrieden: «Lieber im Dirndl ins Theater als in Jeans und Pullover.»

Im Büro, im Laden oder in der Bank - das Dirndl mit Schürze, früher Arbeitskleidung der ländlichen Bevölkerung, taugt zur Wiesnzeit auch im Job. «Alle Frauen sehen im Dirndl super aus», findet die Bankangestellte Nina Saebi, die vier Stück im Schrank hat. «Ich bin ein Münchner Kindl.» Aber auch Russen und Amerikaner, Australier und Italiener, Asiaten und Afrikaner - alle stürzen sich begeistert in die bayerische Tracht.

Weiße Bluse, knappes Mieder - Andrea aus Verona kauft für seine Freundin ein Dirndl als Mitbringsel. Dass es ihr steht, daran hat der Italiener keine Zweifel. «Das sieht einfach super aus.» Wann sie das Dirndl tragen kann, ist freilich unklar. «Darüber mach ich mir jetzt keine Gedanken.»

Manche Touristen kaufen Dirndl für die ganze Familie, berichtet Jürgen Ros, Geschäftsleiter des Trachtenladens Almenrausch am Viktualienmarkt. Vor allem am ersten Wiesn-Samstag sei es «unmenschlich» zugegangen. Manche Artikel waren komplett ausverkauft, die Kunden standen bis auf die Straße.

Immer mehr Gäste besinnen sich auch auf die eigene Herkunft. «Es kann sein, dass das ansteckt», glaubt Festleiterin Weishäupl. Ein japanischer Geschäftsmann sei im Kimono gekommen. Die aus Schweden stammende Ehefrau von Herzog Max in Bayern, Herzogin Elizabeth in Bayern, repräsentierte in der Landestracht namens Kinda. «Das ist allein optisch ein schönes Zeichen der Völkerverständigung», sagt Weishäupl.