Oberammergau (dpa) - Mit einem Großaufgebot an katholischen Bischöfen im Publikum sind am Sonntag die Oberammergauer Passionsspiele zu Ende gegangen.

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx hatte über 20 Amtsbrüder, darunter auch der Kölner Kardinal Joachim Meisner, zur Schlussvorstellung des Spiels vom Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi eingeladen. Zuvor feierte er einen Gottesdienst in der Pfarrkirche des oberbayerischen Gebirgsdorfes.

Mehr als eine halbe Million Zuschauer aus aller Welt sahen die 109 Aufführungen, fünf Vorpremieren eingerechnet. Der Rückgang bei den Besuchern aus den USA wurde durch wachsendes Interesse in Deutschland ausgeglichen. Die Gemeinde als Veranstalter kann sich über einen Reingewinn von 25,7 Millionen Euro freuen.

«Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf», hatte bereits am Freitag Bürgermeister Arno Nunn bilanziert. Dazu gehöre auch, dass die anfangs umstrittene Verschiebung der Vorstellungen bis in den späten Abend im Ort angenommen worden sei. Traditionell gab es am letzten Spieltag bei vielen Mitwirkenden Tränen. Etliche konnten nach einer langen Zeit des Miteinanders auf der Bühne ihre Emotionen nicht verbergen.

Die nächsten Passionsspiele sind erst wieder 2020. Der Regisseur Christian Stückl kündigte aber an, schon im kommenden Jahr eine Bühnenbearbeitung des Romans «Joseph und seine Brüder» von Thomas Mann zu inszenieren. Dann stehen wieder Hunderte von Mitwirkenden, aber auch Pferde und Kamele auf der riesigen Freilichtbühne von Oberammergau.

Doch erst einmal sind die Friseure im Ort gefragt. Nachdem sich die Männer seit eineinhalb Jahren Haare und Bart nicht mehr schneiden lassen durften, gingen die ersten noch am Sonntag zum Friseur. Auf Plakaten hatten die drei Haarsalons im Ort versprochen: «Wir Friseure in Oberammergau haben am Sonntag auch nach Spielende für Sie geöffnet.»

Die Passionsspiele gehen auf ein Pestgelübde aus dem Jahr 1633 zurück. Bei den alle zehn Jahre stattfindenden Aufführungen ist das halbe Dorf auf oder hinter der Bühne beteiligt.