Stuttgart (dpa) - Sportdirektor Fredi Bobic sprach offen von einer Krise, Trainer Christian Gross von einer «sehr, sehr schwierigen Situation», und auch die Spieler wirkten tief frustriert. Nach dem 1:2 (0:1)-Tiefschlag gegen Eintracht Frankfurt war der VfB Stuttgart am Boden zerstört.

«Das wird ein harter Prozess, Schritt für Schritt da rauszukommen», räumte Bobic ein. «Das wird lange dauern.» Und für den in der Vorsaison noch gefeierten Gross wird die Lage immer brenzliger. Bobic stärkte dem Schweizer Fußballlehrer, der nach der phänomenalen Rückrunde und dem Vorstoß in die Europa League noch gefeiert wurde, jedoch demonstrativ den Rücken. «Wir haben ein respektables, kollegiales Verhältnis», versicherte Bobic. «Wir versuchen, die Krise gemeinsam zu lösen.» Gerüchte über ein angebliches Zerwürfnis zwischen ihm und Gross tat er als Blödsinn ab.

Kapitän Matthieu Delpierre sprach von «einem Schlag ins Gesicht». Nach nur einem Sieg in sieben Spielen könne man von einer «Krise» sprechen. «Wir sind sehr weit vom Erfolg entfernt.» Besonders bitter für den französischen Abwehrchef war sein Platzverweis (84. Minute) nach einem Foul gegen Patrick Ochs. Selbst Eintracht-Trainer Michael Skibbe sagte: «Ich habe nicht wirklich eine Rote Karte gesehen.»

Während sich die beiden VfB-Verantwortlichen Gross und Bobic eine Schiri-Schelte verkniffen, bescheinigte Stürmer Ciprian Marica Felix Brych «eine ganz schlechte Leistung». Hätte der Unparteiische aus München Cacaus Treffer zum vermeintlichen 2:2 in der turbulenten Schlussphase gegeben, hätten die Schwaben wenigstens verdient einen Punkt geholt. So blieb es aber bei Pawel Pogrebnjaks spätem Anschlusstreffer (85.). Stürmer-Schlitzohr Theofanis Gekas (18.) und Kapitän Chris (68.) hatten die Hessen in Führung geköpft.

Nur bis zum ebenso überraschenden wie überflüssigen Rückstand und nach dem Platzverweis agierte Stuttgart ansehnlich und überzeugend. Da schien der VfB an den jüngsten Erfolg in der Europa League gegen BK Odense anknüpfen zu können. Aber Pech mit drei Pfosten- und Lattentreffern sowie eklatante Defensivschwächen trugen entscheidend zur Pleite bei.

Einen richtigen Weg aus der Krise konnte auch Gross nicht weisen. «Im Moment läuft vieles gegen uns», klagte der Schweizer. «Wir müssen hart arbeiten, um das Glück auf unsere Seite zu zwingen.» Auch Bobic bemühte die alten Fußballer-Weisheiten, dass in sportlich schwierigen Situationen meist noch Pech dazu komme. «Das ist sehr bitter. Mit einem Punkt hätten wir leben können», sagte er.

So aber bleibt es bei mickrigen drei Zählern vor dem Keller- Knüller gegen Schalke 04 in zwei Wochen. Können die Schwaben bei den «Knappen» nicht punkten, übertreffen sie sogar die Horror-Saison von 1974/75, in der sie schließlich abstiegen. Damals glückte nach ebenfalls nur einem Sieg und sechs Niederlagen am achten Spieltag der zweite Erfolg.