Leverkusen (dpa) - Werder Bremens Notelf hat sich durch das verdiente 2:2 (1:0) bei Bayer Leverkusen für die Schmach von Mailand rehabilitiert. In einem phasenweise atemberaubenden Spiel rettete der eingewechselte Schweizer Eren Derdiyok der Werkself mit dem Ausgleich (78.) wenigstens einen Punkt.

Bayer blieb durch das Remis auch im siebten Pflichtspiel in Folge ungeschlagen, verpasste aber den Sprung auf Platz drei in der Fußball-Bundesliga. Patrick Helmes (16.) hatte die Gastgeber in Führung gebracht, ehe Hugo Almeida (53.) mit seinem vierten Saisontor und Marko Marin (62.) für die Bremer trafen. 30 210 Zuschauer und Bundestorwarttrainer Andreas Köpke sahen eine unterhaltsame Partie und starke Leistungen der beiden Nationalkeeper Rene Adler und Tim Wiese. Die Partie begann mit etwa 15-minütiger Verspätung, weil ein Verkehrsstau rund ums Stadion den pünktlichen Anpfiff verhinderte.

«Wenn man 2:1 führt, muss man das auch mal über die Zeit bringen», haderte Werders Clubchef Klaus Allofs zunächst und schob dann nach, «aber bei unserer Besetzung können wir mit dem Punkt auch zufrieden sein.» Nach dem 0:4-Debakel in der Champions League bei Inter Mailand waren die Bremer mit dem letzten Aufgebot nach Leverkusen gereist. Ohne die verletzten Leistungsträger Claudio Pizarro, Torsten Frings, Naldo und Clemens Fritz begann Werder ähnlich wie in Mailand vielversprechend und hatte Chancen durch Marin (7.) und Daniel Jensen (13.). Aber ähnlich wie im San Siro ging auch dieses Mal der Gegner in Führung. Nach einer Viertelstunde konnte Bremens Philipp Bargfrede den Schuss von Hanno Ballitsch noch auf der Linie klären, 60 Sekunden markierte Helmes nach einem Zuckerpass von Tranquillo Barnetta mit seinem zweiten Saisontreffer das 1:0 (16.).

Trotz der Personalsorgen - bei Bayer fehlten Michael Ballack, Stefan Kießling, Gonzalo Castro und Renato Augusto - und Doppelbelastung durch die internationalen Einsätze während der Woche konnte von Verlegenheits-Fußball keine Rede sein. Sehr zur Freude der Fans wollten beide Teams die herausfordernde Situation offensiv, technisch hochwertig und mit spielerischen Mitteln lösen. Erst nach einer sehr unterhaltsamen halben Stunde flachte das Geschehen ab. In der Nachspielzeit des ersten Durchgangs wäre Bayer pfeilschnellem Sydney Sam beinahe noch das 2:0 gelungen - Wiese parierte glänzend.

Bremens Coach Thomas Schaaf reagierte. Zur zweiten Hälfte kam Almeida für Bargfrede, und mit dem Portugiesen wurden die Gäste- Angriffe wieder gefährlicher und vor allem unberechenbarer. Almeidas Schussgewalt brachte die leidenschaftlichen Norddeutschen schließlich zurück ins Spiel. Durch einen sehenswerten Freistoß-Kracher aus knapp 20 Metern markierte der 26-Jährige den verdienten Ausgleich.

Derart unsanft aufgeschreckt, erwachten auch bei Bayer wieder die Lebensgeister. Nach einer Traumflanke von Michal Kadlec fehlten Helmes nur Zentimeter zur erneuten Führung. Die Partie nahm wieder Fahrt auf. Beide Mannschaften wollten den Sieg. Sogar Marin rackerte nach hinten - und wurde vorne für seine stark verbesserte Leistung belohnt. Nach einer Maßflanke von Aaran Hunt drückte der nimmermüde Wirbler den Ball mit dem Außenriss über die Linie (62.).

Bayer ging volles Risiko. Obwohl die Werkself nach dem Auftritt in der Europa League einen Tag weniger Zeit zur Regeneration hatte als Werder, wirkte sie am Ende frischer und konzentrierter. Derdiyok, erst in der 65. Minute eingewechselt, sicherte dem Team von Trainer Jupp Heynckes am Ende den verdienten Punkt. Der Schweizer tanzte bei seinem unwiderstehlichen Solo drei Werder-Profis aus und ließ Wiese mit einem Flachschuss keine Chance.