Lexington (dpa) - Stürze, Verweigerungen und am Ende ein jubelnder Sieger: Michael Jung ist der erste deutsche Weltmeister in der Vielseitigkeit. Der 28-jährige Reiter aus Horb behielt in Lexington die Nerven.

Er verteidigte mit seinem Pferd Sam die Führung nach dem Geländeritt und ritt im abschließenden Springen zu Gold. «Etwas Glück gehört auch dazu», sagte Jung nach seinem Siegesritt: «Aber ich habe auch die Ruhe behalten.» Im Ziel riss Jung die rechte Faust hoch, nahm danach die Gratulationen entgegen. «Er ist ein Ausnahmereiter», schwärmte Bundestrainer Hand Melzer: «Das ist unglaublich.» Der Jüngste im deutschen Team feierte die Riesenüberraschung und siegte mit 33,00 Strafpunkten vor dem Briten William Fox-Pitt mit Cool Mountain (42,00) und dem Neuseeländer Andrew Nicholson mit Nereo (43,50). Ingrid Klimke aus Münster fiel nach zwei Abwürfen im Springen mit Abraxxas (50,90) noch auf Platz 13 zurück.

Aufgrund eines turbulenten Geländerittes mit einem Ausfall musste sich die deutsche Equipe nach 200,70 Strafpunkten mit Platz fünf begnügen und Großbritannien (139,40) zum Gold gratulieren. Rang fünf reichte aber zur Qualifikation für die Olympischen Spiele in London, damit erreichte das deutsche Team sein Minimalziel. Silber holte Kanada (151,50) vor Neuseeland (154,80).

«Es war schon immer ein Traum von mir, bei einer WM dabei zu sein», sagte Jung. Der jüngste Reiter im deutschen Team und sein Pferd seien nun in Lexington «auf den Punkt genau» in Form. Jung war bereits in den vergangenen Jahren der beste deutsche Vielseitigkeitsreiter, gewann zweimal den Weltcup und vor einem Jahr EM-Bronze.

«Sam ist ein tolles Pferd, das sehr beweglich ist», schwärmte Jung von seinem zehnjährigen Wallach. Er reitet ihn seit fünf Jahren, hat ihn selbst ausgebildet: «Er hat ein starkes Vertrauen zu mir.» Er sei inzwischen nervenstark, «das war früher nicht der Fall.»

Der Wallach aus baden-württembergischer Zucht trug Jung bereits in der Dressur zur klaren Führung, die das Paar im Geländeritt souverän verteidigte. «Er denkt selber mit», beschrieb der EM-Dritte sein Pferd: «Er hat nicht das letzte Vermögen, aber er macht das mit seinem Herzen und seinem Kopf wett.»

Enttäuscht war Ingrid Klimke, die als Dritte einritt und nach zwei Abwürfen auf Rang 13 landete. Eine gemischte Bilanz zog Bundestrainer Hans Melzer. «Für die Mannschaft war es enttäuschend», fasste der Coach zusammen. Sein Team war nach dem Sieg in Aachen vor vier Jahren als Titelverteidiger angereist, verpasste eine bessere Platzierung aber im Gelände. Ursache waren die Disqualifikation des gestürzten Dirk Schrade (Sprockhövel) und die doppelte Verweigerung von Andreas Dibwoski (Egestorf) mit Leon.