Köln (dpa) - In Köln eröffnet an diesem Freitag das Museum zur Sarrazin-Debatte. Darin steht zum Beispiel ein Schrank mit Schubladen von A bis Z. Wenn man sie aufzieht, findet man zu jedem Buchstaben ein anderes Ding, das die Deutschen einst aus anderen Kulturen importiert haben. Bei A ist es der von den Eskimos übernommene Anorak, unter Z kommen arabische Ziffern zum Vorschein.

Da gerät man glatt ins Grübeln darüber, ob die Deutschen in 100 Jahren unter dem Buchstaben «I» vielleicht die Schublade «Islam» aufziehen werden. In jedem Fall macht der Schrank deutlich, dass so manches, was heute zur «deutschen Leitkultur» gerechnet werden mag, anfangs sehr fremd schien.

Das neue Haus am Kölner Neumarkt hat wenigstens noch einen urdeutschen, weil ziemlich umständlichen Namen: Rautenstrauch-Joest- Museum für Kulturen der Welt. Früher war es ein Völkerkundemuseum. Herr Wilhelm Joest aus Köln war zu Zeiten Kaiser Wilhelms mit Tropenhelm und Moskitonetz unterwegs, um sich die fremden Kulturen nach Hause zu holen. Er nahm alles mit, was er kriegen konnte. Wie es sich für einen solchen Kolonialabenteurer gehört, starb er 1897 mit 45 Jahren im Südpazifik an Tropenfieber.

Viele Jahrzehnte lang wurden Joests Klaubereien mit der typischen Mischung aus Sammlerstolz, Überlegenheitsgefühl und Fernweh begutachtet, die für Völkerkunde typisch war. Es ist nicht leicht, heute eine überzeugende Antwort darauf zu finden, warum man solche Sachen weiter ausstellen sollte. Die Faszination des Batiktuchs ist in der Epoche des Bali-Urlaubs nicht mehr unbedingt gegeben. Also alles einmotten?

Das klamme Köln kam zu einem anderen Schluss und hat sich seinen Museumsneubau 66,7 Millionen Euro kosten lassen. Und siehe da, es hat sich gelohnt. Die Erben des alten Joest haben ein überzeugendes neues Konzept gefunden: Die Sammlung wird jetzt nicht mehr als Reise um die Welt präsentiert, sondern ist nach Themen geordnet. Wie unterschiedlich kann man doch wohnen, leben, lieben, beten und begraben! «Von dem Terminus "Völkerkunde" haben wir uns getrennt», sagt Museumsdirektor Klaus Schneider. «Der hat uns schon seit vielen Jahren gestört.»

Der neue Komplex umfasst auch noch ein zweites Museum, das nicht weniger interessant ist: Das Museum Schnütgen, eines der wichtigsten Häuser für mittelalterliche Kunst überhaupt. Wer also nach all den javanischen Schattenspielfiguren und Göttermasken bei Rautenstrauch- Joest zurück zur Ursprungskultur will, der ist dort gerade richtig. Wobei die meisten feststellen dürften, dass ihnen das Deutschland der Ritter und Mönche auch nicht näher ist als Sulawesi und Celebes.