Paris (dpa) - Es ist wie verhext: So richtig reibungslos will bei Annecys Bewerbung um Olympia 2018 kaum etwas laufen.

Bewerbungschef Edgar Grospiron verlor in Acapulco sein Handy im Shuttle, in der Heimat tobte der hartnäckige Streik gegen die Rentenreform und selbst die nationalen Zeitungen berichteten kaum von Annecys erster großer Präsentation vor der olympischen Familie - und das nicht nur, weil einige Blätter streikbedingt gar nicht erschienen.

Irgendwie symptomatisch für den Außenseiter, der sich mit dem bescheidenen Bewerbungsetat von 16 Millionen Euro gegen München und den südkoreanischen Favoriten Pyeongchang durchsetzen und Gastgeber der Olympischen Winterspiele 2018 werden will. Und das, nachdem das Internationale Olympische Komitee (IOC) den Franzosen bereits die Gelbe Karte gezeigt hatte.

Das IOC hatte im Juni vor allem kritisiert, dass Annecys Planer zu viele und zu weit auseinanderliegende Standorte mit in ihr Konzept aufgenommen hatten. «Wir haben wieder bei Null anfangen müssen», gab Grospiron zu. Erst vor zwei Wochen präsentierte er ein gestrafftes Konzept, das den 100 Kilometer entfernten Wintersportort Chamonix einschließt. Auf den Anlagen des früheren Olympia-Standorts Albertville (1992) in La Plagne sollen dann die Wettkämpfe in den Sparten Schlitten, Bob und Skeleton ausgetragen werden.

«Wir haben beschlossen das ursprünglich in der Mont-Blanc-Ebene geplante Olympische Dorf zu streichen», erklärte Grospiron bei der Vorstellung. Stattdessen wird es nun bei Chamonix entstehen und nur noch 1400 statt 2500 Betten vorhalten. Der Ort Annecy mit seinen 3000 Betten soll den Rest der Athleten und ihrer Begleiter aufnehmen. Das Winterspektakel 2018 in dem beliebten Skigebiet hat als Thema in Frankreich bisher jedoch noch keine großen Wellen geschlagen, aber wenigstens bringt sich Ski-Legende Jean-Claude Killy jetzt aktiver in die Kandidatur ein.

Als Chef der IOC-Evaluierungskommission für die Winterspiele 2014 im russischen Sotschi verstärkt er die französischen Ambitionen mit wichtigem Insiderwissen und einem gewachsenen Netzwerk innerhalb des IOC. Die Personalie Killy verschafft Annecy dringend benötigten Rückenwind. Alle Beteiligten, sogar Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy würden jetzt, so Grospiron, «ihren Siegeswillen zeigen und die Fähigkeit, nach Rückschlägen wiederaufzustehen». Noch hat Annecy 2018 bis zur Vergabe der Spiele am 6. Juli 2011 ausreichend Zeit. So oder so könnten die ambitionierten Franzosen der Münchner Bewerbung allerdings wichtige Stimmen klauen und so Pyeongchang schon im ersten Wahlgang zum Sieger machen.