Gelsenkirchen (dpa) - Raul Gonzalez hat die Schalker Herzen endgültig erobert. «Als das langgezogene R a u l durch die Arena hallte, hat mich das ein bisschen an das Bernabeu-Stadion in Madrid erinnert. Da habe ich mich schon sehr für ihn gefreut», sagte Schalke-Abwehrspieler Christoph Metzelder.

«Das war ein toller Abend für ihn», befand auch Trainer Felix Magath nach dem 3:1 (1:0)- Erfolg gegen Hapoel Tel Aviv. Damit hat der in der Liga zuletzt kriselnde Fußball-Revierclub in der Champions League alle Chancen auf das Erreichen der nächsten Runde. Mit zwei Treffern leitete Raul den zweiten Sieg in der Königsklasse ein, sein Landsmann Jose Manuel Jurado steuerte den dritten Treffer zur spanischen Nacht bei.

Kurz vor Mitternacht schlich der 33 Jahre alte Raul aus dem Kabinentrakt, umringt von Reportern, Mikrofonen und Kameras. Mit den beiden Toren hat er seine Europapokal-Ausbeute auf 70 Treffer erhöht (allein 68 in der Champions League) und ist damit nach Angaben der UEFA der Rekord-Torjäger in allen Wettbewerben. «Ich habe mir nie vorstellen können, so viele Tore zu schießen. Und dass ich jetzt auch noch diesen Rekord habe, macht mich glücklich», sagte der Spanier, der auch gleich ein neues deutsches Wort gelernt hat: Doppelpack.

Das Publikum «auf Schalke» honoriert nicht nur seine Tore, sondern vor allem auch seine große Einsatzbereitschaft. «Er stellt sich in den Dienst der Mannschaft und wartet nicht vorne auf die Bälle. Er holt sie sich selbst und schleppt sie nach vorn. Das kommt beim Publikum gut an», meinte Magath, der von Beginn an immer von Raul überzeugt war. «Ich sehe ihn jeden Tag im Training und weiß, was für ein außergewöhnlicher Fußballer er ist. Er ist für den FC Schalke so oder so ein Gewinn, egal ob er spielt oder nicht», sagte Magath.

Auch in der Heimat verfolgt und würdigt man seine Leistungen. «Raul ist immer noch der wichtigste Spieler in Spanien», sagte Jurado, der ebenfalls eine großartige Leistung zeigte und seinen ersten Treffer für Schalke erzielte. Metzelder, der gemeinsam mit Raul bei Real Madrid spielte, meinte, dass sich der Torjäger heute anders auf dem Platz verhält als früher. «Er hat seine Spielweise umgestellt und strahlt nicht nur im Strafraum Torgefahr aus, sondern lässt sich immer wieder fallen. Er ist fast ein zweiter Spielmacher hinter den Spitzen», sagte Metzelder.

Nach dem großen Fußballabend in der Veltins-Arena hat sich die Lage beim Revierclub ein wenig entspannt. «Ich sehe weitere Fortschritte und ein Vorwärtskommen. Ich glaube, dass uns dieses Spiel mehr Sicherheit gibt», befand Magath. Dies sei aber keine Garantie, dass es in der Liga auch gut laufe, meinte der Schalker Coach. Aber die Mannschaft habe sich verbessert, und mit dieser Gewissheit könne man auch am 23. Oktober bei Eintracht Frankfurt etwas holen.

In der Champions League können die Schalker mit einem weiteren Erfolg beim in zwei Wochen anstehenden Rückspiel in Tel Aviv schon fast das Ticket für das Achtelfinale buchen. «Das wird kein Selbstläufer, aber wir können einen großen Schritt Richtung Achtelfinale machen», sagte Metzelder.