Frankfurt/Main (dpa) - Ein neues «Wembley-Tor» könnte schon bald ausgeschlossen sein, Treffer wie durch Diego Maradonas «Hand Gottes» werden dagegen auch künftig die Gemüter erhitzen.

Mit ihrer Kehrtwende in der Diskussion um den Einsatz technischer Hilfsmittel haben die Regelhüter des Fußballs die Tür zu einer tiefgreifenden Reform zumindest einen Spalt breit geöffnet. Nachdem das International Football Association Board (IFAB) von seiner strikten Ablehnung abgerückt ist, sollen noch in diesem Jahr Tests mit Torlinien-Technologien beginnen.

Bis Ende November können interessierte Firmen der FIFA ihre Produkte präsentieren. Nach der Testphase will das IFAB Anfang März 2011 dann über das weitere Vorgehen entscheiden. «Ich bin froh und freue mich. Ich gehe davon aus, dass damit die Weichen gestellt sind, einen unauffälligen technischen Weg zu gehen, der das Beste für den Fußball wäre», sagte der deutsche Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel der Nachrichtenagentur dpa.

Angesichts der vom IFAB gemachten Vorgaben läuft alles auf den von Fandel geforderten Chip im Ball hinaus. Eine mögliche Technologie soll ausschließlich für die Torlinie gelten und allein der Bestimmung dienen, ob der Ball die Linie überschritten hat oder nicht. Das System muss zudem genau sein und binnen einer Sekunde darüber Auskunft geben, ob ein Tor erzielt wurde. «Mit der Torkamera funktioniert das nicht. Der Chip im Ball wäre dagegen zügig und unauffällig praktikabel», meinte Fandel.

Stammtisch-Diskussionen über Abseitstore oder «Handstreiche» wie zuletzt von Thierry Henry, der Frankreich in der WM-Relegation gegen Irland den Weg zur Endrunde buchstäblich freischaufelte, wird es also auch in Zukunft geben. Thomas Helmers Phantom-Tor oder das nicht gegebene «Wembley-Tor» von Frank Lampard im WM-Achtelfinale gegen Deutschland, als der Ball die Linie deutlich überschritten hatte, würden sich dagegen nie mehr wiederholen.

«Man kann alles machen, was den Charakter des Spiels nicht verändert. Die Technik sollte einfach und verlässlich sein», befürwortete Werder Bremens Sportdirektor Klaus Allofs die Entscheidung des IFAB. Auch Eintracht Frankfurts Trainer Michael Skibbe plädiert bei der Bewertung brisanter Situationen für mehr Gerechtigkeit: «Wenn das kommt, wäre das eine gute Geschichte im Sinne des Sports.» Kollege Michael Frontzeck von Borussia Mönchengladbach bekräftigte dagegen seine Ablehnung: «Man soll alles so belassen, wie es ist.»

Daran hat man bei der Firma Cairo technologies AG in Ismaning bei München kein Interesse, denn das Unternehmen hat den Chip im Ball entwickelt. Die Entscheidung des IFAB löste daher leisen Jubel aus. «Das ist extrem positiv, denn seit zehn Jahren arbeiten wir daran. Wir hoffen, dass nun Maßnahmen ergriffen werden, damit diese Technik auch zum Einsatz kommt. Wir sind schon seit sieben, acht Jahren mit der FIFA in Kontakt und haben uns auch schon beworben», sagte Unternehmens-Vorstand Christian Holzer der dpa.