Peking/Frankfurt (dpa) - Chinas Wirtschaft läuft weiter auf Hochtouren. Das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt schwächt sich aber leicht ab.

Nach offiziellen Zahlen vom Donnerstag stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal zwar immer noch kräftig um 9,6 Prozent. Im Vergleich zu den Vorquartalen verringerte sich das Wachstumstempo aber.

Zu Jahresbeginn hatte das Wachstum noch bei 11,9 Prozent gelegen, im zweiten Quartal bei 10,3 Prozent. Ökonomen beurteilten die Daten als insgesamt robust. Die deutschen Exporte dürften durch das schwächere Wachstum in China aber belastet werden.

Die neuen Zahlen entsprechen Erwartungen von Experten, die mit einer abermaligen Abschwächung gerechnet hatten. Befürchtungen eines deutlichen Tempoverlusts wurden jedoch nicht bestätigt. Für die ersten drei Quartale des laufenden Jahres ergibt sich insgesamt ein Wachstum um 10,6 Prozent. Damit hat sich das Tempo im Vergleich zum ersten Halbjahr zwar leicht abgeschwächt, es liegt aber immer noch deutlich über der Regierungsprognose von 8 Prozent.

Die chinesische Regierung gab wie gewohnt kaum Details zu den Wachstumszahlen bekannt. Nach Schätzungen der Royal Bank of Scotland (RBS) dürfte das Wachstum vor allem durch den Lageraufbau der Unternehmen gestützt worden sein. Investitionen und Konsum sollten sich hingegen kaum verändert haben. Der für China eminent wichtige Export dürfte das Wachstum indes belastet haben.

Die Großbank UniCredit hebt die zusehends größere Bedeutung der chinesischen Wirtschaft für Deutschland hervor: Obwohl die jüngste Wachstumsabschwächung nicht dramatisch sei, dürften sie die deutschen Exporteure zu spüren bekommen, schreibt UniCredit-Experte Andreas Rees. Insbesondere die deutsche Automobilindustrie, aber auch die Hersteller hochwertiger Maschinen hatten Anfang 2010 stark von der kräftigen Nachfrage Chinas profitiert. In den kommenden Monaten dürfte sich die Dynamik weiter abschwächen, vermutet Rees.

Unterdessen hat sich der Preisdruck in China weiter erhöht. Die Verbraucherpreise stiegen auf Jahressicht um 3,6 Prozent. Damit liegt die Teuerung derzeit so hoch wie seit zwei Jahren nicht mehr. Im Vormonat hatte die Rate noch bei 3,5 Prozent gelegen. Die im internationalen Vergleich hohe Inflation gilt neben dem robusten Wirtschaftswachstum als Hauptgrund für die jüngste Zinserhöhung der chinesischen Notenbank.