Berlin (dpa) - Selbst in Deutschland, wo sonst ein Funke ausreicht, um eine Datenschutz-Debatte zu entfachen, fielen die offenen Worte des Google-Managers das eine Mal nicht so recht auf. Dabei hatte es die Botschaft von Bill Coughran, zuständig für Software-Entwicklung, durchaus in sich.

Nach der Entlassung eines Google-Mitarbeiters wegen Verstößen gegen interne Datenschutzrichtlinien schrieb Coughran Mitte September: «Eine eingeschränkte Zahl von Menschen wird immer einen Zugang zu diesen Systemen haben müssen, wenn wir sie ordentlich betreiben wollen.» Bei «diesen Systemen» ging es um Bereiche, in denen private Nutzerdaten liegen. Für Brancheninsider mag es keine Offenbarung sein. Aber welchem gewöhnlichen Benutzer ist es schon bewusst, dass es technisch notwendig ist, dass jemand - wenn auch nur in Ausnahmefällen - Zugang zum Beispiel zu seinem E-Mail-Postfach haben kann?

Was genau der eine entlassene Mitarbeiter verbrochen hatte, teilte Google damals nicht mit. Das US-Blog «Gawker», das den Stein ins Rollen gebracht hatte, berichtete jedoch ausführlich, der 27-jährige Techniker habe wiederholt in Google-Accounts mehrerer ihm bekannter Teenager herumgeschnüffelt.

«Gawker» wirkt zwar oft genug wie das digitale Pendant einer Boulevardzeitung, die Geschichte war aber sauber recherchiert und zitierte unter anderen auch einen ehemaligen Google-Spezialisten, der in seiner Zeit bei dem Konzern auch Zugang zu Nutzer-Daten gehabt habe. Das sei auch notwendig, zum Beispiel um bei einer Störung des E-Mail-Dienstes prüfen zu können, ob die Daten im Speicher in Ordnung sind.

Schon damals betonte Google-Manager Coughran, der Konzern nehme jeden Verstoß gegen die Regeln im Umgang mit Nutzerdaten äußerst ernst. So sei nach dem Vorfall die Überprüfung der Logbücher verschärft worden, in denen das Vorgehen der Google-Techniker festgehalten wird.

Jetzt leitet Google eine Datenschutz-Offensive ein. Jeder Leiter eines Software-Projekts muss in einem neuen Dokument alles festhalten, was den Umgang mit Nutzerdaten angeht. Diese Aufzeichnungen sollen regelmäßig vom Management und externen Aufsehern geprüft werden. Ab Dezember sollen alle Mitarbeiter auch zusätzliche Schulungen erhalten. Schon bisher mussten sie einen Verhaltenskodex unterzeichnen, der strenge Regeln zum Umgang mit Nutzerdaten enthält.

Schließlich soll ein «Director of Privacy» die Einhaltung des Datenschutzes in allen Bereichen überwachen. Der Posten wurde mit Alma Whitten besetzt, einer international anerkannten Expertin für Sicherheit und Datenschutz, wie Google betont.