Yeongam (dpa) - Wer redet da noch von Stundenhotels und Baukränen? Regen, einbrechende Dunkelheit, Unfälle, Motorenplatzer und vier Safety-Car-Phasen: Die Formel-1-Premiere in Südkorea begann schleppend, gipfelte aber in einem furiosen Finale.

Ein größeres Schauspiel hätte sich in Yeongam auch Ministerpräsident Kim Hwang-sik als Tribünengast kaum wünschen können. Schon die ersten Eindrücke der Fahrer drängten die Negativschlagzeilen um erhebliche Bauverzögerungen bei der neuen Strecke im Süden des Landes beiseite. Der einhellige Tenor: Die Strecke aus der Feder des deutschen Architekten Hermann Tilke hat einen hohen Spaßfaktor. Nur eines bereitete leichte Sorgen: Was passiert, wenn es regnet? Schließlich wurde der neue Asphalt erst zwei Wochen vor dem Rennen auf dem 5,621 Kilometer langen Korea International Circuit verlegt.

Und dann kam er, der Regen. Zwar gar nicht so heftig, dafür aber ohne Unterbrechung seit dem Vorabend. Der Start wurde prompt um zehn Minuten verschoben. Die Strecke stand unter Wasser. Woran es lag? Die Drainagen sollen funktioniert haben, im Inneren auf den Wiesen sowie Parkplätzen soll das Wasser aber nicht versickert, sondern zurückgeflossen sein. Der Einsatz von Kehrmaschinen und fast putzig anmutenden fleißigen Helfern, die mit Besen die Strecke befahrbar machen wollten, half nicht viel.

Die Gischt, die die Autos aufwirbelten, machte freies Rennfahren erstmal unmöglich. Nachdem der Niederschlag ab- und die Runden hinter dem Safety-Car zugenommen hatten, bekam der Südkorea-Grand-Prix doch noch die Kurve und bot anschließend ein PS-Drama. Sebastian Vettel wurde zum tragischen Helden, als ihm nach langer Führung der Motor platzte. Fernando Alonso staubte durch eine Verkettung glücklicher Umstände mit seinem Sieg die WM-Führung ab.

Vergessen waren Berichte über angeblich gefährliche Kriechtiere an der Strecke oder schäbige Unterkünfte in Stundenhotels. «Der Fokus ist ja mehr auf der Qualität der Hotels», hatte der Präsident des Internationalen Automobilverbandes FIA, Jean Todt, schon vorher etwas missmutig die Negativ-PR getadelt.

Für die Organisatoren des ersten Südkorea-Grand-Prix' hatte er vor dem Rennen, das letztlich jede Erwartung übertraf, großes Lob parat. Für die Leistung des Strecken-Verantwortlichen Yung Cho Chung sei er voller Bewunderung, sagte Todt. Um eine spätere Abnahme der Strecke möglich zu machen, war die 90-Tage-Frist der FIA außer Kraft gesetzt worden. Erst zehn Tage vor dem ersten Training hatte eine FIA- Kommission nach einer zweitägigen Inspektion Grünes Licht gegeben.

Todt rechtfertigte den Aufschub. «Es wäre unfair gewesen», meinte er mit Blick auf den letztlich doch fertiggestellten Kurs. Den Zuschauern wäre tatsächlich ein - wenn auch ungeplantes - außergewöhnliches Spektakel vorenthalten worden.