Berlin (dpa) - Vorgeschmack auf einen heißen Herbst: Atomkraftgegner in ganz Deutschland haben am Samstag gegen den geplanten Castor-Transport ins Zwischenlager Gorleben mobil gemacht.

Die Organisatoren sprachen von etwa 20 000 Menschen, die an 120 Orten entlang der Castor-Strecken nach Ahaus, Gorleben und Lubmin demonstrierten. Ziel sei es gewesen, den politischen Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen. Allein in Niedersachsen seien an mehr als 60 Orten Menschen auf die Straße gegangen.

Am 6. oder 7. November wird der zwölfte Transport mit hoch radioaktivem Atommüll im niedersächsischen Wendland erwartet, um ins Zwischenlager Gorleben transportiert zu werden. Die Deutsche Polizei-Gewerkschaft rechnet mit bis zu 50 000 Demonstranten, mindestens 16 500 Polizisten werden im Einsatz sein.

Die Grünen-Politikerin Rebecca Harms rechnet wegen der Atompolitik der Regierung mit einem weit größeren Protest gegen den Transport als früher. Der Widerstand werde viel breiter, sagte die aus dem Wendland stammende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europaparlament, der Nachrichtenagentur dpa.

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) fordert von der Regierung das Verbot aller Atommülltransporte. «Die Sicherheit der Bevölkerung darf nicht der hochgefährlichen Atommüllverschieberei geopfert werden», erklärte der BBU am Sonntag.

«Angela Merkel muss sich von ihren radikalen Atomplänen verabschieden, denn wir akzeptieren es nicht, dass wir alle ein höheres Risiko tragen sollen, damit die Gewinne von vier Stromkonzernen weitersprudeln», hieß es in einer Mitteilung der Anti- Atom-Organisation «ausgestrahlt».

Auf einer der bundesweit größten Veranstaltungen beteiligten sich in Hannover nach Polizeiangaben rund 1500 Menschen. Sie zogen mit Trillerpfeifen und Trommeln unter dem Motto «Es reicht! Atomkraft Schluss jetzt» durch die Innenstadt. Von Gorleben aus startete eine Castor-Attrappe mit 70 schwarz-gelben «Atommüllfässern» nach Berlin. Vor dem Bundestag sollten die Fässer an diesem Montag als Symbol für die ungeklärte Endlagerfrage zu einem großen Berg aufgeschichtet werden, sagte der Geschäftsführer des politischen Netzwerkes Campact, Christoph Bautz. An diesem Tag berät der Umweltausschuss über die Änderung des Atomgesetzes.