Dortmund (dpa) - In Karlsruhe ausgemustert, in Dortmund gefeiert - vor der bebenden Südtribüne genoss Antonio da Silva beim 1:1 (0:1) gegen 1899 Hoffenheim die Ovationen der Fans.

Ausgerechnet der erst kurz vor dem Ende der Transferfrist lediglich als Ergänzungsspieler verpflichtete Brasilianer erwies sich für die Borussia in der Stunde der Not als Glücksgriff. Mit einem Kunstschuss in der Nachspielzeit bewahrte er seine müden Mitstreiter vor einem empfindlichen Rückschlag. «Ich habe den Ball vorher geküsst. Es war unsere allerletzte Chance. Gott sei Dank habe ich sie genutzt», sagte der Freistoßschütze.

Noch während sich die BVB-Profis von ihren Fans feiern ließen, bestürmten die wütenden Hoffenheimer Schiedsrichter Wolfgang Stark. Der entscheidende Freistoßpfiff des Unparteiischen aus Ergolding nach einer angeblichen Regelwidrigkeit von Chinedu Obasi an da Silva brachte sie auf die Palme. «Ich war beim Schiedsrichter und habe ihm gesagt, dass es ein Foul an Obasi und nicht von Obasi war», klagte Ralf Rangnick. Stark gab seinen Fehler nach dem Studium der Fernsehbilder zu. «Wenn man das hier so sieht, dann hat er den Ball gespielt. Der Schiedsrichter hat eine gewisse Wahrnehmung und deswegen habe ich so entschieden», sagte er dem Pay-TV-Sender Sky.

Sichtlich verärgert trauerte Gäste-Trainer Rangnick der vergebenen Chance auf einen Sieg nach: «Das fühlt sich an wie eine Niederlage, nicht wie ein Punktgewinn.» Zu allem Überfluss verlor Hoffenheim nicht nur zwei Punkte, sondern auch noch Sejad Salihovic. Der Mittelfeldspieler sah im hektischen Getümmel um den Schiedsrichter nach dem Schlusspfiff die Gelb-Rote Karte.

Dagegen traten die Dortmunder nach dem Schlusspfiff wie Sieger auf. Zwar verpassten sie den avisierten Vereinsrekord mit acht Siegen in Serie, werteten den späten Ausgleichstreffer aber als verdienten Lohn für harte Arbeit. «Ich würde sagen, es war ein glücklicher Punktgewinn von Hoffenheim», kommentierte Manndecker Mats Hummels.

Nur drei Tage nach dem unglücklichen 1:1 in der Europa League gegen Paris St. Germain mangelte es der zuletzt hochgelobten Borussia jedoch lange Zeit an zündenden Ideen. Anders als in den vergangenen Wochen suchten sie nach dem frühen Rückschlag durch Demba Ba (9. Minute) ihr Glück mit der Brechstange. Für die fehlende Spielkunst machte Hummels die Terminhatz der vergangenen Wochen verantwortlich: «Die letzten drei Spiele waren unglaublich eng und anstrengend.»

Den Last-Minute-Treffer von da Silva empfand BVB-Coach Jürgen Klopp als Ausgleich für einige unglückliche Entscheidungen des Schiedsrichters in den Spielminuten zuvor. So hatte Stark dem erfolgreichen ersten Elfmeter von Nuri Sahin (15.) die Anerkennung verweigert, weil Torjäger Lucas Barrios zu früh in den 16-Meter-Raum gelaufen sein soll. Im zweiten Anlauf scheiterte der Türke beim Versuch, schon früh für den Ausgleich zu sorgen. «Das ist ja wahnsinnig lächerlich», klagte Klopp, «das ist an Ungerechtigkeit kaum mehr zu überbieten.»