Hannover (dpa) - Aufgebrachte Fans, ein frustrierter Clubchef Wolfgang Overath, fünf Punkte aus neun Spielen, Abstiegsplatz und keine Besserung in Sicht: Für Trainer Zvonimir Soldo stehen die Zeichen beim Chaos-Club 1. FC Köln auf Abschied.

«Wenn die Punkte fehlen, dann wirst du als Trainer infrage gestellt», sagte Soldo nach dem bitteren 1:2 (0:2) bei Hannover 96. Eine Aufgabe kommt für ihn aber nicht infrage. «Ich gehe davon aus, dass ich am Dienstag im DFB- Pokalspiel gegen 1860 München auf der Bank sitzen werde», fügte der 42 Jahre alte Kroate hinzu.

Am Sonntagvormittag stand Soldo planmäßig auf dem Trainingsplatz und besprach mit der Mannschaft das Spiel vom Vortag. Ob er weiterhin im Amt bleibe, konnte der FC-Coach nicht bestätigen. «Ich kann dazu nichts sagen. Aber wenn du diesen Job machst, musst du auf alles vorbereitet sein», sagte Soldo in der TV-Sendung «Doppelpass». Der Trainer ist überzeugt, die Krise zu meistern. «Wir haben die Qualität, aus dieser Situation herauszukommen», sagte Soldo.

«Das, was wir erwartet haben, war bis auf die letzten 10 Minuten nicht zu sehen. Ich bin fürchterlich enttäuscht», sagte Overath in der «Bild am Sonntag» und vertagte die Entscheidung in der Trainerfrage. «Ich nehme mir das Recht heraus, mal zu schweigen», kommentierte Manager Michael Meier das sechste sieglose Bundesligaspiel in Serie.

Geredet haben die Kölner zuletzt viel. Erst der Rundumschlag von Nationalspieler Lukas Podolski, dann der konfuse Auftritt des nicht mehr berücksichtigen Torwarts Faryd Mondragon. Auch Overath versuchte es mit guten Worten. Er sprach Soldo und Meier das «vollste Vertrauen aus», fuhr mit der Mannschaft im ICE nach Hannover und machte den Profis in der Kabine noch einmal Mut. Genutzt hat es nichts, die Geduld des Präsidenten dürfte erschöpft sein.

Mit regungsloser Miene verfolgte Overath auf der Tribüne, wie sein spielerisch arg limitiertes Team durch einen Doppelschlag des quirligen 96-Stürmers Didier Ya Konan (4. Minute/15.) früh besiegt wurde. Die Kölner bemühten sich zwar nach der Pause um eine Aufholjagd, doch nur Martin Lanig (85.) traf. «Wir waren nicht gut genug, um etwas mitnehmen zu können», gestand Soldo. Seit seinem Amtsantritt im Juni 2009 holte der FC-Coach in 43 Spielen 43 Punkte. Ein Schnitt von 1,0 Punkten ist in der Bundesliga zu wenig.

«Nee, nee, es gibt genug andere, die etwas sagen sollen», sagte Podolski, ehe er in den Mannschaftsbus stieg. «Wir kommen nur zusammen aus dieser Situation heraus», erklärte Adam Matuschyk. Der FC-Profi schlug sich auf die Seite des Trainers, zeigte aber auch Verständnis für die wütenden Anhänger. Die riefen «Wir haben die Schnauze voll» und forderten den Rauswurf von Soldo und Meier. «Das tut weh, aber man kann die Fans verstehen», sagte Matuschyk.