London (dpa) - 109 000 Tote, davon weit mehr als 60 000 Zivilisten, 15 000 bisher unbekannte Opfer: Die Internetplattform Wikileaks macht bisher geheime Akten der US-Armee öffentlich. Allein zwischen 2004 und 2009 zeugen die Dokumente von einem unbekannten Maß an Gewalt, Terror und Leid.

Wikileaks überließ die Unterlagen zuvor Medien rund um den Globus, darunter auch dem Nachrichtenmagazin «Spiegel», der «New York Times» und der britischen Zeitung «Guardian».

Wikileaks-Gründer Julian Assange stellte sich am Samstag in London der Presse und rechtfertigte die beispiellose Bloßstellung der amerikanischen Streitkräfte. Die Papiere seien klare Beweise für Kriegsverbrechen, sagte er. Mit Blick auf die empörten Regierungen in Washington und London sagte Assange, die Dokumente seien redaktionell so bearbeitet worden, dass niemand gefährdet werde.

Wikileaks hatte bereits im Juli 90 000 geheime Dokumente zum Afghanistan-Krieg öffentlich gemacht. «Wir haben keine Berichte darüber, dass irgendjemand aufgrund der Veröffentlichungen verletzt wurde», sagte Assange.

Der Irak-Krieg begann im März 2003 mit der Invasion der USA, Großbritanniens und verbündeter Staaten. Deutschland, Frankreich und Russland stellten sich gegen die sogenannte Koalition der Willigen. Der Feldzug war nicht durch den UN-Sicherheitsrat abgesegnet. US-Präsident Barack Obama erklärte den Krieg am 31. August 2010 für offiziell beendet.

US-Außenministerin Hillary Clinton reagierte wütend auf die Enthüllungen. Die nationale Sicherheit der USA und die ihrer Verbündeten sei bedroht.

Auch das Verteidigungsministerium in Washington war außer sich: «Indem solch sensible Dokumente zugänglich gemacht werden, setzt Wikileaks weiter das Leben unserer Soldaten, unserer Verbündeten und von Irakern und Afghanen aufs Spiel, die für uns arbeiten».