Rotterdam (dpa) - Erst bei seiner Geburtstagsparty im Hafen von Rotterdam fiel um Mitternacht auch die letzte Anspannung von ihm ab. Fabian Hambüchen ist wieder da und will künftig der Turner-Welt aufs Neue das Fürchten lehren. «Die Krise ist definitiv vorbei. Ich bin zurück auf der Turner-Bühne.»

Fast brüllte er die Worte heraus, als wollte er sagen: Das Gestern ist erledigt, jetzt zählt nur noch das Heute. «Das war ein Befreiungsschlag zur rechten Zeit», bekundete er nach seinem starken Auftritt am Reck, der mit WM-Bronze belohnt worden war.

In den zurückliegenden Monaten hatte sich der Reck-Weltmeister von Stuttgart rargemacht auf den großen Podien. Sei der EM im April quälte ihn zunächst die Achillessehne, dann auch noch die Ungewissheit, ob mit dem schmerzenden Fuß jemals wieder alles ins richtige Lot kommen könnte.

Doch erst der Wechsel zu Vertrauensarzt Johannes Peil, den «Wunderheiler» von Formel-1-Pilot Michael Schumacher, in die Sportklinik nach Bad Nauheim brachte den deutschen Turnstar wieder auf Kurs. «Ich bin Doktor Peil so dankbar, ohne ihn hätte ich diese WM so nicht erlebt. Wir haben alles auf den Punkt richtig gemacht», erklärte Hambüchen. Dazu gehöre auch die Entscheidung, in diesem Jahr mit Rücksicht auf die entzündete Achillessehne nicht mehr am Boden und am Sprung zu starten.

In den zurückliegenden Monaten waren nach 18 Jahren intensiven Trainings bei ihm körperliche Ermüdungen eingetreten, die er nicht einfach so ablegen konnte. «Alles fiel mir schwerer. Die Knochen machten nicht mit, wie ich wollte. Aber an Motivation hat es nie gemangelt», behauptet er heute.

«Aber jetzt weiß ich: Diese Gefühle, irgendwann wieder im Sechskampf anzugreifen, können gigantisch sein», meinte Hambüchen, der immer noch amtierende Europameister. In der niederländischen Hafenstadt spürte er, wie mit Philipp Boy ausgerechnet einer aus dem eigenen Lager mit Mehrkampf-Silber seinen Ausnahme-Status in Wanken brachte. «Das war eine ganz starke Leistung von Philipp. Aber ich komme wieder und bei der EM in Berlin will ich auch im Sechskampf erneut Vollgas geben.»

Umso wichtiger war für den seit Montag 23 Jahre alten Wetzlarer, den Cottbuser Rivalen wenigstens an seinem Spezialgerät in die Schranken gewiesen zu haben. Zwar bot Boy mit 7,3 sogar schon zwei Zehntel mehr Schwierigkeiten als der einstige Reck-König, doch nach einem kleinen Standfehler beorderten ihn die Referees knapp hinter Hambüchen auf Rang vier. «Nach dem kleinen Hüpfer war mir klar: Jetzt setzen sie mich hinter Fabi», meinte Boy schließlich auch leicht angesäuert.