Hamburg (dpa) - Mittelmaß verboten: Armin Veh und Steve McClaren wurden am 1. Juli mit vielen warmen Worten empfangen, 100 Tage danach wird der Ton beim Hamburger SV und VfL Wolfsburg aber deutlich rauer.

Das internationale Geschäft müsse es am Ende der Saison schon sein, fordern die Verantwortlichen konsequent. Mit Rang sieben (HSV) und acht (Wolfsburg) liegen beide Nordclubs vor dem achten Spieltag als Tabellennachbarn unter ihrem Soll.

Veh steht vor der schweren Reise zu Spitzenreiter Mainz wieder vor großen Verletzungssorgen, mit denen schon Vorgänger Bruno Labbadia zu kämpfen hatte. Dennis Aogo hat noch keinen Saisoneinsatz, bei Mladen Petric und Paolo Guerrero ist die Rückkehr auf den Platz ebenso ungewiss. «Es will ja keiner mehr hören, aber die WM spielt noch immer eine gewisse Rolle, denn die jungen Spieler aus Mainz oder Dortmund nahmen nicht an der WM teil. Und zudem haben jene Mannschaften, die von den Experten ganz oben in der Liga erwartet wurden, einen ganz anderen Druck», meinte Veh.

Ohne die verletzten Leistungsträger und die Formschwäche von Piotr Trochowski ist der ehemalige Wolfsburger Coach zu ständigen Umstellungen gezwungen. Nach der Niederlage in Bremen kritisierte Veh den Nationalspieler noch auf dem Platz vor allen Leuten. Gelassenheit sieht anders aus. Zudem legte er sich auf Ruud van Nistelrooy als Stürmer Nummer eins fest und riskierte Zoff mit Petric. Die Rolle hinter dem Niederländer wechselt zudem zu häufig, bisher konnte sie keiner ausfüllen.

Deutlich in der Spur ist inzwischen McClaren mit seinem VfL. Der Saisonstart beim hoch ambitionierten VW-Club ging trotz Investitionen von knapp 38 Millionen Euro und der spektakulären Bundesliga- Rückholaktion von Diego zunächst gründlich daneben. Nach drei Pleiten zum Auftakt wurde das Umfeld unruhig. Der erste britische Coach in der Bundesliga reagierte mit einer Taktik-Umstellung und kehrte zum «Meister-System» mit Mittelfeldraute und Doppelspitze Grafite/Edin Dzeko zurück, das 2009 unter Felix Magath den Titel brachte.

Seitdem läuft es wieder. Drei Siege und ein Unentschieden folgten. Wegen des verpatzten Starts haben die «Wölfe» trotzdem erst zehn Punkte auf dem Konto und sind angesichts des unmissverständlichen Ziels Europapokal zum Siegen verdammt. «Wir haben uns mit den ersten drei Spielen in eine schwierige Lage gebracht, das arbeiten wir immer noch auf», bilanzierte McClaren nach den ersten sieben Spieltagen.

Sichtlich überrascht war der Coach aus Yorkshire zunächst von der Stärke der Bundesliga. Schnell erkannte er nach seinem Wechsel von Twente Enschede aus der niederländischen Ehrendivision, dass in Deutschland nur wenige Prozent weniger an Leistung auch gegen Abstiegskandidaten schnell eine Niederlage bedeuten. Der ehemalige englische Nationalcoach ist inzwischen aber fest davon überzeugt, am Ende unter den besten fünf Teams der Liga zu stehen.