London (dpa) - Siemens hat die französische Konkurrenz im Kampf um einen millionenschweren Großauftrag für zehn neue Kanaltunnel-Züge ausgestochen. Der Auftrag für die Hochgeschwindigkeitszüge geht an den deutschen Konzern, wie Eurostar-Vorstandschef Nicolas Petrovic am Donnerstag in London sagte.

Es gebe noch «einige kleinere rechtliche Details» zu klären, die endgültige Unterschrift werde «in höchstens ein paar Wochen» folgen. Der neue Eurostar, der bis zu 320 Kilometer pro Stunde zurücklegen und bis zu 900 Passagiere aufnehmen kann, war am Donnerstag bereits im Londoner Hyde-Park zu sehen.

Eurostar investiert in den nächsten Jahren 700 Millionen Pfund (rund 800 Millionen Euro) in seine Flotte, wie Petrovic ankündigte. Davon sollen 600 Millionen Euro in die neuen, 400 Meter langen Züge und 200 Millionen in die Renovierung der bisherigen Züge fließen. Dafür hat Eurostar die italienische Designerfirma Pininfarina engagiert, die auch Ferrari-Sportwagen gestaltet hat. Der Flottenumbau soll 2014 vollendet sein.

Der unterlegene französische Alstom-Konzern kritisierte Siemens indirekt, indem er mitteilte, dass die von Eurostar bestellten Züge nicht im Einklang mit den derzeit geltenden Sicherheitsbestimmungen stünden. Weitere Kommentare wollte das Unternehmen nicht abgeben. Der britische Verkehrsminister Philip Hammond zeigte sich zuversichtlich, dass die Sicherheitsbestimmungen erfüllt würden.

Bisher fahren durch den rund 50 Kilometer langen Eurotunnel ausschließlich TGV-Züge des französischen Alstom-Konzerns. «Wir haben uns ausschließlich daran orientiert, was das Beste für unsere Kunden ist», sagte Petrovic zur Auswahl von Siemens als Lieferanten.

Der Eurostar hat im vergangenen Jahr mit Geschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern rund neun Millionen Menschen durch den Kanaltunnel transportiert - insgesamt waren es bereits 100 Millionen. Er braucht von London eine Stunde und 51 Minuten nach Brüssel und zwei Stunden und 15 Minuten nach Paris.

Petrovic kündigte an, künftig auch Verbindungen in weitere europäische Städte, darunter Köln und Frankfurt am Main, aufnehmen zu wollen. Die Fahrtzeit zwischen London und Frankfurt gab er mit vier Stunden an. Auch die Deutsche Bahn will von 2013 an von Deutschland durch den Kanaltunnel nach London fahren. Dazu soll am 19. Oktober eine Testfahrt stattfinden. Die ICE der Deutschen Bahn, ebenfalls von Siemens produziert, erfüllen bisher nicht die Sicherheitsbestimmungen.