London (dpa) - An Liverpools ruhmreicher Anfield Road kocht die Fanseele weiter. Der Verkauf des schwer angeschlagenen Fußball-Traditionsclubs FC Liverpool an finanzkräftige US-Investoren hat für neuen Zündstoff gesorgt.

«Thanks but no Yanks» - «Danke, aber keine Amis!», hieß es in den vergangenen Wochen immer wieder auf den Transparenten der Anhänger. Doch wie die verhassten Geschäftsmänner Tom Hicks und George Gillett kommen auch die neuen Besitzer, die New England Sports Ventures (NESV), aus den USA.

«Wir trauen den Amis nicht mehr», schimpfte Paul Tremarco, Wirt des direkt am Stadion gelegenen Pubs «Arkles» und Dauerkartenbesitzer. «Sie haben uns zum Gespött gemacht. Wir wollen lieber reiche Araber von den Vereinigten Arabischen Emiraten.»

Dagegen begrüßte der zuletzt ebenfalls in die Kritik geratene Trainer Roy Hodgson den Einstieg von NESV. «Das ist sehr positiv, natürlich bin ich sehr froh», beteuerte der Coach. Auch die Führung von Englands WM-Bewerbung für 2018 zeigte sich angetan. «Das kann nur gut sein», hieß es in einer Erklärung. Die Kampagnen-Manager hoffen nun auf schnelle Fortschritte beim dringend nötigen Umbau des Stadions, das WM-Spielort werden soll.

Bei den Fans der «Reds» sitzt der Frust und die Angst um ihren Verein aber noch immer tief. Hicks und Gillett hatten Englands Rekordmeister Anfang 2007 übernommen und zuletzt immer tiefer in die Schuldenkrise gestürzt. Gegen den Willen des Duos nahm der Clubvorstand in der Nacht zum Mittwoch das Übernahme-Angebot von NESV für rund 340 Millionen Euro an. Nun müssen nur noch die Gerichte und Englands Premier League dem Besitzerwechsel zustimmen. Denn Hicks und Gillett, die das Doppelte verlangen, gehen juristisch dagegen vor.

Mit einem rauschenden Empfang dürfen die neuen Investoren aber an der Anfield Road ohnehin nicht rechnen. Skeptisch zeigte sich auch James McKenna, Sprecher der Fangruppe «Spirit of Shankly». «Wir haben uns gut über NESV informiert, aber es ist weiterhin wichtig, dass diese Leute herkommen und mit den Fans sprechen und erklären, was sie vorhaben», meinte McKenna. «Natürlich sind wir Anhänger vorsichtig optimistisch, aber wir wollen eine Menge mehr, als wir von Hicks und Gillett bekommen haben.»

NESV gab sich Mühe, die Sorgen zu zerstreuen. «Unser Ziel ist es, den Verein zu stabilisieren, den FC Liverpool wieder an seinen angestammten Platz im englischen und europäischen Fußball zu führen und Trophäen zu gewinnen», hieß es in einer Erklärung, die das Unternehmen am Mittwochabend verbreitete. «NESV bringt die Siegermentalität zurück in den Club.»