Stockholm (dpa) - Erstmals seit 20 Jahren rückt der Nobelpreis für Literatur wieder einen Schriftsteller aus Lateinamerika ins Rampenlicht: Der 74 Jahre alte Mario Vargas Llosa aus Peru erhält die bedeutendste Auszeichnung der literarischen Welt nicht nur für sein künstlerisches Schaffen, sondern auch für seine Haltung als grenzüberschreitender, idealistisch streitbarer Kosmopolit.

Vargas Llosa hat als Erzähler und Essayist mit über 30 sprachmächtigen und gut lesbaren Romanen, vielen Essays und etlichen Theaterstücken weltweit Wirkung entfaltet. In vielen Ämtern kämpft er auch für seine politischen und gesellschaftlichen Ideale. Die Schwedische Akademie würdigt den 74-Jährigen für seine «Kartographie der Machtstrukturen und scharfkantigen Bilder individuellen Widerstands, des Aufruhrs und der Niederlage».

Peter Englund, Sekretär der Akademie in Stockholm, begründete die Entscheidung im dpa-Gespräch: «Er hat gezeigt, dass große Literatur die Welt verändern kann. Und große Literatur ist Weltliteratur.»

Derzeit hält sich Vargas Llosa in den USA auf, wo er an der Universität von Princeton (US-Bundesstaat New Jersey) lehrt. Er sei «sehr, sehr gerührt und begeistert», sagte er in einer ersten Reaktion. «Ich dachte zuerst, ein Freund hätte sich einen Scherz mit mir erlaubt», zitiert ihn die Zeitung «El Mundo» (Madrid).

Zu seinen bekanntesten, oft autobiografisch inspirierten Romanen gehören unter anderem «Das Fest des Ziegenbocks» (2000), «Tante Julia und der Kunstschreiber» (1977) oder «Das Paradies ist anderswo» (2003), alle erschienen im Suhrkamp Verlag. Mehrere seiner Romane wurden verfilmt.

In den bisher 50 Jahren seines literarischen Schaffens erhielt Vargas Llosa viele Auszeichnungen, unter anderem 1996 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In seiner Rede in der Frankfurter Paulskirche sagte er damals, Literatur solle darauf verzichten, «light» zu sein. Sie müsse sich ernsthaft engagieren, um den «Traum von einer friedlichen, in demokratischen Verhältnissen zusammenlebenden Welt, der mit dem Fall der Mauer entstanden war», zu verteidigen.

Am Suhrkamp-Stand auf der Frankfurter Buchmesse wurde die Bekanntgabe am Donnerstag enthusiastisch gefeiert. «Wir sind alle im Glück», sagte Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz. «Es ist eine wunderbare Entscheidung. Er ist ein ganz großer Erzähler seiner Zeit. Er hat den Satz geprägt: "Literatura es fuego" (Literatur ist Feuer) - und genauso sind seine Werke», schwärmte die Verlegerin.