Lexington (dpa) - Mit langem Anlauf sprang Julia Becker ihrem Mann in den Arm und riss ihn fast um. Mit seiner Frau hüpfte der Bundestrainer der Springreiter kurz über den Abreiteplatz, feierte mit ihr das WM-Gold seiner Mannschaft - noch bevor der Wettbewerb in Lexington beendet war.

«Dass wir so gewinnen, hätte ich nicht für möglich gehalten», sagte Otto Becker später: Seine Mannschaft war so stark, dass der Sieg schon vor den letzten zehn Reitern feststand. Mit 17,80 Strafpunkten gewann die deutsche Equipe klar vor Frankreich (24,32) und Belgien (24,70).

«Ich war Weltmeister, bevor ich eingeritten bin», sagte Marcus Ehning (Borken): «Das war ein tolles Gefühl.» Nach dem fehlerfreien Ritt von Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) mit Checkmate stand der Sieg vorzeitig fest. «Es könnte nicht besser sein. Ich wusste, ich konnte den Sack zumachen», jubelte die Reiterin.

Mit vier Flaschen Champagner im Arm konnte sie kurz vor Mitternacht die Pressekonferenz als Mannschafts-Weltmeisterin verlassen. Denn Janne-Friederike Meyer (Schenefeld) mit Lambrasco und Carsten-Otto Nagel (Wedel) mit Corradina hatten mit Null-Runden früh den Grundstein gelegt.

«Für uns ist das ein besonderer Moment», sagte der strahlende Bundestrainer und zählte auf: «Sportlich, weil wir seit zwölf Jahren keine WM mehr gewonnen haben und seit fünf Jahren auch keinen anderen Titel. Aber es war auch wichtig nach all den schwierigen Jahren.» Im Moment des Erfolges hatte Becker nicht vergessen, wie sehr das Image des Pferdesports nach den Dopingfällen von Christian Ahlmann und Isabell Werth gelitten hatte.

Auch der Verbandspräsident Breido Graf zu Rantzau erklärte: «Das können wir gut gebrauchen. Es gab Zeiten, die nicht so leicht waren. Das hat ja alle bedrückt.» Der geforderte Neuanfang nach dem Desaster bei den Olympischen Spielen scheint mit dem danach eingestellten Coach geglückt.

Später in der Nacht, bei der Feier im Hotel, war davon nicht mehr die Rede. Die deutsche Delegation durfte ungehemmt feiern. «Das ist schon überragend», sagte der glückselige Verbands-Chef über das Quartett: «Alle waren in Hochform.» Das galt insbesondere für für die 29-jährige Meyer, die als Ersatzreiterin einspringen musste, weil sich Marco Kutschers Pferd Cash kurz vor der WM verletzt hatte. «Das war ein harter Schlag, aber ich bin ganz ruhig geblieben», sagte Becker.