Berlin (dpa) - In der Türkei steht Mesut Özil unter Sonderbeobachtung. «Türke gegen Türke» und «Mesut gegen uns» titelten die Blätter am Bosporus vor dem EM-Qualifikationshit in Berlin.

Die Gazetten sind voll vom «Bruderkampf», den viele Fans in der Partie des deutschen Fußball-Nationalspielers gegen die Türken sehen. Das Land hadert mit dem verlorenen Sohn, der sich für Deutschland und gegen die Heimat der Eltern entschieden hat.

Bei der Weltmeisterschaft konnten die Fans noch ganz mit dem türkischstämmigen Özil und Deutschland mitfiebern, denn die eigene Mannschaft war in Südafrika nicht dabei. Nun beschäftigen sich die Zeitungen vor allem mit einer Frage: Wird er ein Tor gegen uns machen? Und vor allem: Wie wird er sich dann freuen? «Das entscheide ich spontan», hatte Özil selbst noch offen gelassen, wie er im Falle eines eigenen Torerfolgs gegen «meine Freunde» reagieren würde.

«Es ist das natürliche Recht eines jeden Spielers, sich zu freuen», meint Sergen Yalcin, früher einer der besten Spieler des Landes und praktisch für alle Top-Vereine auf dem Platz. «Natürlich würde ich mich freuen, es aber nicht so zeigen», sagt Mustafa Dogan, erster türkischstämmiger Nationalspieler in Deutschland und heute Kommentator im türkischen Fernsehen.

Viele Türken sehen dies anders und teilen eher die Meinung von Hamit Altintop, der sich einst für die Türkei entschied, aber für den FC Bayern kickt. «Es heißt doch Länder-Spiel. Man hört die Hymne, und da spielt man doch für das Land, dem man sich zugehörig fühlt», sagte der Münchner Profi in einem Interview. Der in Gelsenkirchen geborene Özil hatte nochmals betont: «Für mich kam keine andere Nation infrage.» Was in der Türkei erneut für Diskussionen sorgte.

Özil habe gesagt, dass es für ihn ein sehr schweres Spiel werde, berichtete Bundestrainer Joachim Löw, der selbst in der Türkei gearbeitet hatte, der Sportzeitung «Fanatik». «Vielleicht werden die türkischen Fans auf der Tribüne ihn auspfeifen, aber Mesut ist ein sehr reifer Charakter. Da kommt er drüber weg», sagte Löw. Auch Sami Khedira, der nach dem südafrikanischen WM-Wintermärchen zusammen mit Özil zu Real Madrid gewechselt war, bescheinigte dem Ex-Bremer: «Er ist sehr reif und gelassen.» Der Rummel um Özil ist riesengroß.

Die große türkischen Tageszeitung Hürriyet hatte in diesen Tagen sogar ein Interview mit Özil veröffentlicht, dass dieser laut DFB- Angaben allerdings nie gegeben habe. «Fanatik» erinnerte an das von der Türkei nur knapp verlorene Halbfinale bei der Europameisterschaft 2008: «Fast hätten wir Deutschland eine schöne Lektion erteilt.» Und dann verfiel das Blatt in eine Wortwahl, die längst Vergangenheit schien: «Jetzt werden wir die (deutschen) Panzer zerstören und stärkstes Team der Gruppe.»