Peking (dpa) - Nach dem Matchball gab es für Caroline Wozniacki und ihre Fans in Peking kein Halten mehr: Noch auf dem Platz feierte die Dänin den Sprung an die Spitze der Tennis-Weltrangliste.

«Die Nummer eins zu sein, war immer ein Traum für mich. Das ist wirklich ein riesiger Schritt», sagte Wozniacki freudetrunken nach dem 6:3, 6:2 über die Tschechin Petra Kvitova.

Mit ihrem Achtelfinal-Sieg bei den China Open zog Wozniacki an der bisherigen Spitzenreiterin Serena Williams vorbei, die am 2. November vorigen Jahres den Top-Platz zurückerobert hatte. Die Amerikanerin pausiert seit ihrem Wimbledon-Triumph wegen einer Fußverletzung, war aber schon in Stöckelschuhen zu sehen. Möglicherweise kehrt die Amerikanerin in der kommenden Woche in Linz auf die WTA-Tour zurück.

Die 20-jährige Wozniacki ist die 20. Spielerin an der Spitze seit Einführung der Computer-Weltrangliste vor 35 Jahren - und nach Jelena Jankovic und Dinara Safina die dritte in den vergangenen beiden Jahren, der dies ohne einen Grand-Slam-Titel gelang. Dieser Makel haftete auch Kim Clijsters an, doch die Belgierin ist mittlerweile dreimalige US-Open-Siegerin. 2009 hatte sie Wozniacki im New Yorker Finale bezwungen. Mit einem Grand-Slam-Titel würde sich noch «ein Traum erfüllen», sagte Wozniacki in Peking.

In Flushing Meadows hatte sie als topgesetzte Spielerin und Favoritin vor einem Monat mit ihrem Halbfinal-Aus die Chance verpasst, Serena Williams zu überholen. Durch den Viertelfinal-Einzug beim mit 4,5 Millionen Dollar dotierten WTA-Turnier in Peking gelang der entscheidende Schritt, zudem revanchierte sich Wozniacki bei Kvitova für die Niederlage in Wimbledon. Am Freitag wartet in der Serbin Ana Ivanovic eine ehemalige Nummer eins im Viertelfinale.

«Ich habe gar nicht so sehr an die Rangliste gedacht. Ich denke an das Match, das ich gerade spiele», sagte Wozniacki. «Nach Wimbledon hatte ich eine schöne Pause, in der ich gut trainieren und in Form kommen konnte», sagte die Blondine, die zuvor in Tokio bereits ihren fünften Turniersieg in diesem Jahr gefeiert hatte.

«Ich habe zuletzt wirklich gut gespielt. Ich spiele gern Matches, ich mag den Wettkampf», erklärte die aus einer äußerst sportlichen Familie stammende Wozniacki. Vater und Trainer Piotr war einst Fußball-Profi in Polen und Dänemark, Mutter Anna war polnische Volleyball-Nationalspielerin, Bruder Patrik ist ebenfalls Fußball- Profi in Dänemark. Die in Odense geborene Wozniacki ist glühender Fan des kriselnden FC Liverpool und mag dessen spanischen Stürmerstar Fernando Torres. Abseits des Sports vertieft sich Wozniacki gern in Harry-Potter-Bücher oder schaut Filme mit Johnny Depp.