Berlin (dpa) - Auf diesen Tag hat Verteidigungsminister Karl- Theodor zu Guttenberg (CSU) immer wieder vorbereitet. In diesem Jahr sei mit weiteren Verlusten der Bundeswehr in Afghanistan zu rechnen, sagte er nach den tödlichen Gefechten mit den Taliban im April mehrfach.

Sieben Tote hatte die Bundeswehr damals innerhalb von zwei Wochen zu beklagen. Es war der verlustreichste Monat für die deutschen Truppen seit Beginn ihres Einsatzes am Hindukusch Anfang 2002.

Am Donnerstag wurde die düstere Prophezeiung Guttenbergs zur Realität. In der nordafghanischen Unruheprovinz Baghlan wurde ein Trupp der Bundeswehr angegriffen, der eine Straße sichern sollte. Bei dem Selbstmordanschlag wurde mindestens ein Soldat getötet, sechs Soldaten wurden verletzt - zwei davon schwer. Es ist insgesamt der 44. tote deutsche Soldat in Afghanistan. 27 davon fielen in Gefechten oder durch Anschläge.

Keine zwei Stunden nach der Attacke trat Guttenberg im Plenarsaal des Bundestags in Berlin ans Rednerpult. In der Debatte ging es um die Versorgung von Soldaten, die in Afghanistan verwundet oder traumatisiert wurden. «Mich hat soeben eine sehr traurige Nachricht erreicht», sagte der Minister sichtlich betroffen. «Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Soldaten und ihren Familien.»

Es ist keine sechs Wochen her, dass Guttenberg die deutschen Soldaten in Baghlan besucht hat. Als erster deutscher Spitzenpolitiker hielt er sich für zwei Stunden an einem Vorposten mitten im Kampfgebiet auf. «Es ist ganz wichtig, dass man die Realitäten nicht nur vom Schreibtisch aus beurteilt», sagte er damals. Möglicherweise hat er bei seinem Kurzbesuch an der Front sogar Soldaten getroffen, die jetzt getötet oder verletzt wurden.

Zum wiederholten Mal nutzten die radikal-islamischen Taliban einen symbolträchtigen Tag für eine Attacke. Am Donnerstag jährte sich die Invasion der internationalen Truppen unter Führung der USA zum neunten Mal. Im April nutzten die Taliban mit dem Karfreitag einen der höchsten christlichen Feiertage für einen Angriff auf eine Bundeswehr-Patrouille in Kundus. Nach stundenlangen Gefechten hatte die Bundeswehr drei Tote zu beklagen.

Zwei Wochen später griffen die Taliban die Bundeswehr in Baghlan an. Vier Soldaten wurden getötet. Die Attacke kam während eines Besuchs Guttenbergs im deutschen Feldlager in Feisabad. Die Nachricht von den Toten erreichte den Minister auf dem Rückflug nach Usbekistan im Hubschrauber. An Zufall mochte niemand so richtig glauben.