Berlin/Neu Delhi (dpa) - Schock für die Bundeswehr am neunten Jahrestag des Kriegsbeginns in Afghanistan: Ein Selbstmordattentäter der Taliban riss am Donnerstag in der Unruheprovinz Baghlan einen deutschen Soldaten in den Tod und verletzte sechs weitere teils schwer.

Damit stieg die Zahl der toten Bundeswehrsoldaten seit Beginn des Einsatzes auf 44. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem «feigen Anschlag». Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ließ aber keinen Zweifel an der Notwendigkeit des Einsatzes.

Bei dem Getöteten handelt es sich um einen 26-jährigen Oberfeldwebel vom Fallschirmjägerbataillon 313 aus dem niedersächsischen Seedorf. Wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam am Abend weiter mitteilte, wurden die Angehörigen informiert. Drei der Verwundeten würden noch im Feldlazarett in Masar-i-Scharif behandelt. Es bestehe aber keine Lebensgefahr. Die anderen drei seien wieder bei ihren Einheiten.

Die Bundeswehr-Patrouille hatte den Auftrag, eine Zufahrtsstraße zu sichern, als sie von dem Selbstmordattentäter angegriffen wurde. Nach Angaben des Provinzgouverneurs zündete der Täter den an seinem Körper befestigten Sprengstoff gleich neben dem deutschen Konvoi in der Nähe der Provinzhauptstadt Puli Khumri. Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu der Tat und erklärten, der Attentäter habe acht ausländische Soldaten mit in den Tod gerissen. Angaben der Aufständischen sind in der Regel aber stark übertrieben.

Nach dem Anschlag wurde die Patrouille mit Mörsern und Handfeuerwaffen angegriffen. Das Gefecht zog sich über mehrere Stunden hin. Erst bei Einbruch der Dunkelheit endeten die Kämpfe.

Keine zwei Stunden nach dem Anschlag informierte Guttenberg in einer Plenardebatte über die Versorgung von verwundeten und traumatisierten Soldaten über die Attacke. Er sprach von einer sehr traurigen Nachricht, verteidigte aber gleichzeitig den Einsatz am Hindukusch. Er diene auch der Sicherheit in Deutschland.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte, der Anschlag erfülle ihn mit tiefster Trauer. «Dieser barbarische Akt richtet sich nicht nur gegen uns, er richtet sich auch gegen die große Mehrheit der Afghanen, die eine friedliche, auf Ausgleich und Versöhnung gerichtete Politik für ihr Land will.» Auch Vertreter der anderen Fraktionen äußerten sich entsetzt. Linksfraktionschef Gregor Gysi forderte einen sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan.