Frankfurt/Main (dpa) - Gudrun Landgrebes Augen funkelten noch ein bisschen mehr als sonst, und Jessica Schwarz ballte so gar nicht ladylike die Faust: Zwei starke Frauen wurden am Freitagabend beim Hessischen Filmpreis in Frankfurt geehrt.

«Das ist eines der großen Feste, bei dem meine ganze Familie dabei ist - ich freu' mich total», sagte Schwarz, die aus dem südhessischen Michelstadt stammt. Die 33-Jährige bekam für ihre «Romy»-Darstellung in der ARD den Fernsehpreis des Hessischen Rundfunks. Landgrebe («Die flambierte Frau») erhielt in der Alten Oper den Ehrenpreis des Ministerpräsidenten - für ihr Lebenswerk.

«Ich danke meinem Publikum, dass mich erst existent sein lässt», sagte die 60-Jährige. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) nannte sie in seiner Begründung «eine Ausnahmeschauspielerin, die mit ihrer Rollenauswahl immer wieder Mut und Risikobereitschaft beweist». Bei einer Aufzählung besonderer Attribute Landgrebes sorgte er mit einem Versprecher («Sie ist breit.») für Gelächter. Zuletzt hatten den undotierten Preis Suzanne von Borsody und Monica Bleibtreu bekommen.

Hin und weg von «Grande Dame» Landgrebe waren auch die Schauspiel-Kollegen. «Sie ist so durchsichtig und einfach wunderschön», schwärmte Hannelore Elsner, selbst eine der Laudatorinnen des Abends. Schwarz erkannte sich in den Filmen der jungen Landgrebe wieder: «Die dunklen Haare - die blauen Augen», sagte sie und wünschte sich «in ihrem Alter auch noch so graziös» zu sein. Landgrebe sei überhaupt nicht divenhaft, sondern arrangiere sich sogar mit einem Schlafsack in einem ukrainischen Hotel, schilderte Produzentin Alice Brauner. Matthias Schweighöfer fand: «Sie ist eine stolze Schauspielerin.»

Schweighöfer, der gerade sein Regiedebüt «What A Man» in Frankfurt dreht, bekam den undotierten hr-Fernsehpreis als bester Darsteller, zusammen mit Milan Peschel für die gemeinsame Leistung in der «Tatort»-Folge «Weil sie böse sind». «Den Preis als Duo mit Milan zu bekommen, ist besonders toll», sagte der 29-jährige Berliner. «Ich liebe ihn über alles! Seinetwegen hab' ich überhaupt begonnen, Theater zu spielen. Milan ist auch der Patenonkel meiner Tochter.»

Der Hessische Filmpreis für den besten Spielfilm und die damit verbundenen 35 000 Euro gingen an «Shahada» von Regisseur Burhan Qurbani. Das Werk sei «ein sensibel inszeniertes Drama von der Auseinandersetzung junger Migranten mit der Religion und ihrem Zwiespalt zwischen Modernität und Tradition», begründete die Jury. Die Laudatio hielten ZDF-Moderatorin Dunja Hayali und Pegah Ferydoni.

Der Hessische Film- und Kinopreis, am Rande der Buchmesse vergeben, ist mit insgesamt 185 000 Euro dotiert. 95 000 Euro fließen an hessische Filmtheater, die sich um die Kinokultur des Landes verdient machen. Der Preis der Buchmesse (10 000 Euro) für die beste internationale Literaturverfilmung teilten sich Baran Bo Odar für «Das Letzte Schweigen» (nach Jan Costin Wagners Erfolgskrimi) und Rebecca Miller für die Verfilmung ihres Buches «Pippa Lee». Sie ist die Tochter des berühmten US-Schriftstellers Arthur Miller. Einen Sonderpreis vergab die Jury für «Mein blaues Cello», den Dokumentarfilm über den legendären Frankfurter Cellisten Frank Wolff. Der Musiker witzelte: «In Frankfurt bin ich weltberühmt.»