Berlin (dpa) - Hamit Altintop schlurfte traurig durch die Katakomben des Berliner Olympiastadions. «Wir sind sehr enttäuscht. Das erhoffte Ausrufezeichen für den türkischen Fußball konnten wir nicht setzen», sagte der türkische Nationalspieler nach dem 0:3 im EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland.

Nur wenige Meter von dem Bayern-Profi entfernt stand dessen Zwillingsbruder Halil von Eintracht Frankfurt und analysierte ebenso treffend wie ernüchtert: «Die Deutschen waren klar dominierend und stärker als wir.» Fast 40 000 türkische Fans hatten die Partie in der Hauptstadt in ein «Heimspiel» für die Gäste verwandelt, die Auswahl des niederländischen Erfolgstrainers Guus Hiddink hatte sich so viel vorgenommen gegen die DFB-Elf - am Ende stand eine bittere Niederlage und die Erkenntnis, dass es bis zur EM 2012 in Polen und der Ukraine ein schwerer Weg durch die Gruppe A werden dürfte.

Hinter Spitzenreiter Deutschland lauern Österreich (6 Punkte aus zwei Spielen), die Türkei (6/3) und Belgien (3/3). Die beschwerliche Reise nach Baku zum nächsten Gruppenspiel am Dienstag gegen die von Berti Vogts trainierten Aserbaidschaner soll den Türken daher als Frustbewältigung dienen. Mit Toren beim abgeschlagenen Schlusslicht wollen Nuri Sahin, die Altintops & Co. wieder Selbstvertrauen tanken.

Das war dem ambitionierten WM-Dritten von 2002 in Berlin nicht gelungen. Halil Altintop, von Hiddink überraschend als einzige Sturmspitze aufgeboten, hatte zwei gute Chancen, wurde aber zunächst von Bayern-Verteidiger Holger Badstuber gestoppt (36.) und scheiterte später am glänzend reagierenden Torwart Manuel Neuer (52.).

«Wenn man so große Möglichkeiten nicht nutzt, hat man gegen so eine Mannschaft keine Chance», sagte Hiddink. «Wir haben gegen ein Team gespielt, das in allen Bereichen gut ist.» Auf seine Auswahl traf dies nicht zu: Torwart Volkan Demirel flatterhaft, die Defensive unsicher, das Mittelfeld nicht kompakt und kreativ genug, der Angriff ohne Durchschlagskraft. Der vermeintlich stärkste DFB-Gegner in der EM-Quali konnte «nur 25 Minuten mithalten», wie Hiddink befand.

Die «normale Niederlage» wollte er daher schnell vergessen. «Nun sehen wir, dass wir es nicht zu schwer nehmen», sagte er mit Blick auf das Auswärtsspiel in Aserbaidschan und die fest einkalkulierten drei Punkte. Auch die türkischen Medien hielten sich nicht lange mit der sportlichen Niederlage auf. «Türkische Nacht in Berlin» schrieb die Zeitung «Habertürk» mit Hinweis auf die vielen rot-weißen Fans. Und die Tageszeitung «Aksam» freute sich lieber darüber, dass «Deutsche in Berlin in der Minderheit» waren.