Vettel ist erst der zweite deutsche Weltmeister der Formel 1 überhaupt - zur Feier des besonderen Tages lief er mit Deutschland- Fahne durchs Fahrerlager. Und mit 23 Jahren und 134 Tagen löste er Lewis Hamilton, der als Zweiter ins Ziel beim 19. und letzten Saisonlauf kam, ab. «Er hat es sich verdient. Aber wir werden nächstes Jahr zurückkommen», kündigte Hamilton an. So wie der Brite verneigte sich praktisch das gesamte Fahrerlager und der deutsche Sport vor dem neuen Superstar, der sich seinen Lausbuben-Charme bewahrt hat. «Mit Talent, Selbstbewusstsein und Disziplin hat er in jungen Jahren Sportgeschichte in der Formel 1 geschrieben», sagte Fußball-Bundestrainer Joachim Löw.

Beim ersten Showdown mit vier WM-Kandidaten wurde schon der Start zum Thriller. Vettel kam eher mäßig in die Gänge, Hamilton versuchte gleich in der ersten Kurve innen vorbeizukommen. Während Alonso die Attacke von Ex-Champion Jenson Button (McLaren) nicht abwehren konnte und nach nur wenigen Metern auf Rang vier zurückfiel, verteidigte Vettel energisch seine zehnte Pole in dieser Saison. Webber, der am Ende Achter wurde, blieb auf Platz fünf.

Nach Schumachers Einlage, die das Safety Car bei dessen 250. Renneinsatz auf den Plan rief, wurde der Große Preis von Abu Dhabi in Runde sechs wieder freigegeben. Zwischenzeitlich drohten Probleme mit den Reifen einen Strich durch die gewagte Triumph-Rechnung Vettels zu machen. «Gib dein Bestes», funkte Vettels Renningenieur, dem die Nervosität deutlich anzumerken war. So viel habe dieser in den vorherigen Rennen nie mit ihm gesprochen, erzählte Vettel mit verschmitztem Grinsen.

Bei Ferrari herrschte ein anderer Ton: «Ich weiß, dass Du dein Bestes gibst, aber es ist kritisch», bekam der Spanier Alonso via Boxenfunk zu hören. Genau wie das: «Nutze Dein Talent, wir wissen doch wie groß es ist.»

Mit Vettels Boxenstopp à la carte wuchs die Hoffnung des Hessen auf den Sieg weiter. Als auch Button die Reifen wechseln ließ, lag Vettel wieder in Führung auf dem 5,554 Kilometer langen Kurs. Die Mechaniker schickten Stoßgebete gen nächtlichem Himmel und Vettel machte nach 55 Runden und in 1:39:36,837 Stunden sein Meisterstück perfekt. Vier Punkte Vorsprung nach 19 Rennen auf Alonso. Webber wurde WM-Dritter mit 14 Punkten weniger. «Wir haben einen Typen im Team, der alle Formel-1-Weltmeister seit 1950 aufzählen kann, man muss ihn nur nach dem Jahr fragen. Jetzt Teil dieser Liste zu sein, zusammen mit Michael (Schumacher) und (Ayrton) Senna - mir fehlen die Worte», meinte Vettel.