Berlin (dpa) - Zahlreiche Stromanbieter in Deutschland nutzen die steigenden Ökostrom-Förderkosten als Begründung für teils drastische Preiserhöhungen.

Nach Berechnungen des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE) erhöhen mindestens 21 Energieversorger zum 1. Januar 2011 ihre Strompreise deutlich höher als es mit dem Anstieg der sogenannten EEG-Umlage zu erklären wäre. Fast alle begründen die teils massiven Preisaufschläge ihren Kunden gegenüber jedoch allein mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien.

Für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Stromverbrauch von rund 4000 Kilowattstunden pro Jahr ergibt sich nach BEE-Berechnungen eine zusätzliche Ökostrom-Belastung von etwa 59 Euro pro Jahr. Fast alle Versorger haben angekündigt, ihre Preise im kommenden Jahr um 10 bis 30 Euro zu erhöhen - zusätzlich zu den rund 59 Euro, die sich im Jahr für den Durchschnittshaushalt ergeben, heißt es in der BEE- Berechnung, die der dpa vorliegt.

Unter anderem durch den massiven Zuwachs bei der Stromproduktion aus Solaranlagen steigt die sogenannte EEG-Umlage von derzeit 2,047 Cent pro Kilowattstunde Strom im nächsten Jahr auf 3,53 Cent. Die Umlage, mit der Ökostromanbieter zur Förderung von Strom aus Sonne, Wind oder Biomasse Vergütungen über den Marktpreisen bekommen, bezahlen die Verbraucher über die Stromrechnung mit. Durch mehr Ökostrom sinken in der Regel aber auch die Einkaufspreise für Strom, deshalb muss die Umlage nicht 1:1 an die Kunden weitergegeben werden. RWE zum Beispiel will die höhere Umlage nur zum Teil weitergeben.

Besonders viele Stadtwerke fallen in der Berechnung damit auf, dass sie die Ökostrom-Kosten zu deutlichen Erhöhungen nutzen. «Die teils drastischen Strompreiserhöhungen mit den erneuerbaren Energien zu begründen, ist eine grobe Täuschung der Verbraucherinnen und Verbraucher», sagte BEE-Präsident Dietmar Schütz. «In den Jahren 2000 bis 2010 stieg der monatliche Beitrag, mit dem ein durchschnittlicher Haushalt über die EEG-Umlage den Ausbau der Erneuerbaren fördert, um rund fünf Euro an.» Die monatliche Stromrechnung hingegen sei im gleichen Zeitraum um etwa 30 Euro gestiegen - also sechsmal soviel.

Für Kritik sorgt aber anderseits auch, dass etwa die Solarbranche massiv von der Ökostrom-Förderung profitiert und rund 40 Prozent der Förderkosten durch die Umlage erhält. Der Anteil der Solarenergie an der Ökostromproduktion liegt aber nach Regierungsangaben nur bei rund neun Prozent. Die Regierung setzt vor allem auf mehr Windkraft.

EEG-Umlage 2011