London/Dublin (dpa) - Trotz heftigen Dagegenhaltens der irischen Regierung häufen sich Hinweise, dass Irland in Kürze Finanzhilfe aus dem Rettungsprogramm der Eurozone beantragen könnte.

Über das Wochenende berichteten Medien immer wieder von Gesprächen zwischen dem finanziell schwer angeschlagenen Irland und EU-Diplomaten. Konkrete Quellen wurden dabei nicht genannt. Von offizieller Seite gab es entweder Dementis oder Schweigen.

Die neu aufgeflammte Schuldenkrise wird beim November-Treffen der Euro-Finanzminister an diesem Dienstag in Brüssel besprochen werden. «Aktuelle Entwicklungen spielen bei solchen Zusammenkünften immer eine Rolle», sagte ein EU-Diplomat am Sonntag in Brüssel.

Unterdessen wies ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums einen Medienbericht zurück, die Bundesregierung dränge Irland dazu, noch vor dem Treffen der Euro-Finanzminister Hilfe aus dem Rettungsschirm zu beantragen, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Der Bericht sei nicht richtig, sagte der Sprecher am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) werde Irland unterstützen, wenn das Land danach ersuche, sagte Generaldirektor Dominique Strauss-Kahn am Samstag im japanischen Yokohama am Rande des Gipfeltreffens des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (APEC). «Bislang haben wir noch keine Anfrage erhalten. Wenn die Iren irgendwann, morgen, in zwei Monaten oder zwei Jahren Hilfe vom IWF wollen, werden wir bereit stehen», zitierte ihn die Finanz- Nachrichtenagentur Bloomberg.

Der irische Premierminister Brian Cowen reagierte regelrecht wütend auf einen BBC-Bericht, internationale Hilfe für Irland stehe unmittelbar bevor, wie es am Sonntag in der irischen Zeitung «Independent» hieß. Der Sender hatte am Samstagabend mit Hinweis auf nicht näher benannte Quellen berichtet, Irland sei bereits in vorbereitende Verhandlungen mit der EU getreten. Es sei nicht mehr eine Frage ob, sondern wann Irland Hilfe aus dem Fonds beantragen werde. Es gehe um eine Summe von rund 60 bis 80 Milliarden Euro, hieß es.

Ein Sprecher des irischen Finanzministeriums wies die Berichte der Zeitung gegenüber zurück. «Es gibt keine Gespräche über einen Antrag auf eine Notfinanzierung durch die Europäische Union.» Irland sei trotz der schwierigen Lage bis Mitte 2011 sicher finanziert.