Paris (dpa) - 20 Monate vor Olympia in London stehen Deutschlands Fecht-Aktien weltweit solide im Kurs. Nach einer perfekt inszenierten WM im 110 Jahre alten Grand Palais von Paris bilanzierte Sportdirektor Manfred Kaspar aus seiner Sicht Erfreuliches für den Deutschen Fechter-Bund (DFeB).

«Das sind drei ordentliche Medaillen. Die Perspektive Richtung London ist richtig gut, in allen Waffen. Wir haben zu dieser grandiosen WM ein würdiges Ergebnis beigetragen», sagte Kaspar.

Die Tendenz ist allerdings rückläufig: Gold für Peter Joppich mit dem Florett, Silber für Säbel-Größe Nicolas Limbach und das Damendegen-Quartett sind im Vergleich mit Antalya 2009 (1-1-3) und St. Petersburg 2007 (2-1-3) ein Minus. Daniel Strigel, als DFeB-Vizepräsident für den Bereich Leistungssport verantwortlich, schloss sich dem Abschluss-Kommuniqué Kaspars deshalb auch nicht rückhaltlos an: «Für 2010 haben wir die Ziele nur bedingt erreicht.»

Es gab teilweise kräftige Leistungseinbrüche. Im Einzel überstanden Degen-Olympiasiegerin Britta Heidemann (17.) und Europameisterin Imke Duplitzer (18.) die Runde der besten 32 nicht. Florett-Olympiasieger Benjamin Kleibrink kam nicht auf Touren und belegte Rang 26. Jörg Fiedler (17.) scheiterte als Nummer eins der Degen-Weltrangliste ebenfalls im 32er Tableau - aber das immerhin am späteren Weltmeister Nikolai Nowosjolow aus Estland.

Kaspar war sich angesichts der differierenden Resultate seiner Besten («Das Gefälle ist mir etwas zu stark, der Abstand zwischen unseren Aushängeschildern und denen dahinter ist teilweise etwas zu groß») auch nur in einem Punkt absolut sicher: «Die Qualifikation für London 2012 wird mit keiner Waffe ein Selbstläufer, das wird überall schwer.»

Die Pluspole sind Joppich, der zum vierten Mal nach 2003, 2006 und 2007 Gold erfocht, Limbach, der trotz des gegen den Südkoreaner Woo Young Won verlorenen Schlussgefechts der Top-Säbelfechter bleibt, und die als Team bärenstarken Degendamen, die allerdings zum fünften Mal seit 1992 im Finale scheiterten. Den Florettmannschaften gelang es nicht, die Medaillengewinne von Antalya zu wiederholen: Die Damen wurde nach Rang drei 2009 Vierte, die Herren nach viermal WM-Silber in Serie Fünfte.

Glänzend präsentierten sich Stefanie Kubissa mit Rang sechs im Säbel-Einzel, Degen-Ass Martin Schmitt als Fünfter und das Spaß-Quartett der Säbelherren: Nur drei Treffer fehlten zum Einzug in das Halbfinale. «Wir sind jung, und Rang fünf ist ein ganz großer Schritt nach vorn», meinte Limbach. Elfte waren sie vor 13 Monaten in der Türkei. Die Degenherren beendeten das Mannschaftsturnier nach Rang vier 2009 diesmal als Fünfte.