Wolfsburg (dpa) - Die Bierduschen ließ er ebenso stoisch über sich ergehen wie die Schimpftiraden von Wolfsburgs Manager Dieter Hoeneß und den höhnischen Beifall von VfL-Coach Steve McClaren. Doch die Scham über seinen entscheidenden Fehler war Schiedsrichter Wolfgang Stark zu viel.

Der Referee legte sich ein Schweigegelübde auf und hätte seine Kabine in der Wolfsburger VW-Arena am liebsten gar nicht mehr verlassen. Auch am Tag nach dem turbulenten 2:2 (2:1) des VfL Wolfsburg gegen Schalke 04 war Stark telefonisch nicht zu erreichen, als Hoeneß dem Schiedsrichter erneut Arroganz vorwarf. «Das würde ich nicht revidieren wollen, weil es stimmt. Das ist ein Problem gerade bei diesem Schiedsrichter», erneuerte Hoeneß im «Sport1- Doppelpass» seine heftige Kritik.

Der VfL fühlte sich von Stark um den Sieg betrogen. Vor dem glücklichen Ausgleich der Knappen übersah der Referee ein klares Handspiel des Torschützen Klaas-Jan Huntelaar (75. Minute), was die Fans in der ausverkauften VW-Arena und Hoeneß noch einen Tag später zum Toben brachte. «Ich stehe dazu: Wolfgang Stark ist nicht unser bester Schiedsrichter im Moment. Er hat deutlich an Qualität verloren und muss sein Spiel überprüfen», lederte Hoeneß.

Auch Coach Steve McClaren war nach dem Spiel außer sich. «Unglaublich, das war Handball von Huntelaar. 30 000 Leute im Stadion und beide Trainerbänke haben das gesehen, nur das Schiedsrichtergespann nicht. So kamen dann auch die wütenden Reaktionen zustande», rechtfertigte sich McClaren dafür, dass Stark von Ordnern und Regenschirmen geschützt vor fliegenden Bierbechern von der Haupttribüne in die Kabine gebracht werden musste. Dort verkroch sich der Unparteiische und ließ über DFB-Spielbeobachter Lutz-Michael Fröhlich ausrichten, dass er sich nicht äußern wolle.

Selbst von Ex-Schiri Fröhlich und den Schalkern bekam Stark aber keine Hilfe. Fröhlich räumte ein, dass sich der DFB mit dem Auftreten seiner Referees beschäftigt: «Wir haben das Thema Körpersprache auf der Agenda.» Auch im Hinblick auf Huntelaars Tor sprach Fröhlich Klartext. «Das war unglücklich. Nach der ersten Analyse hätte das der Schiedsrichter sehen müssen», urteilte er. «Normalerweise wird gepfiffen, wenn der Ball einem an die Hand springt», räumte auch Huntelaar sein Glück ein.

Zwar spielte Schalke in der zweiten Hälfte besser, glücklich war der Punkt aber nicht nur wegen des irregulären Tores. Trotz des Teilerfolgs hielt sich der Jubel zurück, Schalke steckt auf dem Relegationsplatz fest. «In unserer Situation helfen uns eigentlich nur Siege. Wir machen zu wenig Spiele, in denen wir über 90 Minuten gut sind», maulte Kapitän Manuel Neuer.

Die «Wölfe» machten für den vergeigten Sieg auch die Rote Karte gegen Ashkan Dejagah (78.) nach rüdem Foulspiel gegen Jefferson Farfán als Grund aus. Wenig später gab es für eine ähnliche Aktion von Schalkes Atsuto Uchida gegen Mario Mandzukic nur Gelb. «Wenn er in der einen Situation Rot gibt, muss er es in der anderen auch machen», begründete Hoeneß seinen Gefühlsausbruch auf dem Spielfeld, den Stark ebenso wie McClarens Klatschen in einem Sonderbericht festhielt. Zumindest dem Coach droht nun eine Sperre. Verständnis dafür hat Hoeneß nicht. «Die sollen vor ihrer Haustür kehren. Wenn da ermittelt wird, lache ich mich kaputt», sagte er.