Kopenhagen/Stockholm (dpa) - Die fröhlich «Waterloo» trällernde Abba-Frida mit gigantischen Plateausohlen unter den Lackstiefeln kennen die meisten zumindest von Bildern, die Witwe des Prinzen Ruzzo Reuß von Plauen wohl nur die wenigsten.

Wenn die Ex-Abba-Sängerin am Montag (15. November) ihren 65. Geburtstag feiert, kann sie auf zehn Jahre mit unsterblichen Erfolgen zurückblicken. Hinter Anni-Frid Lyngstad Prinzessin Reuß von Plauen liegen aber auch ungewöhnlich viele persönliche Verluste und Schicksalsschläge.

Geboren wurde sie ein halbes Jahr nach Kriegsende in der Nähe von Narvik als «Tyskerbarn» - («Deutschenkind»). Das ist die in Norwegen übliche und nicht freundlich gemeinte Bezeichnung für Kinder aus Verbindungen heimischer Frauen mit deutschen Besatzungssoldaten. Ihren Vater Alfred Haase lernte Anni-Frid erst kennen, als sie dank Abba weltberühmt war: Die Münchner Jugendzeitschrift «Bravo» hatte ihn ausfindig gemacht. Die Mutter starb kurz nach der Übersiedlung nach Schweden 1947, als die Tochter zwei Jahre alt war. Sie wuchs bei der Großmutter auf.

Nach dem ersten Ja vor dem Traualtar 1963 im Alter von 17 bekam Anni-Frid im selben Jahr ihren ersten Sohn Hans Fredriksson und vier Jahre später Ann Lise-Lotte. Die Tochter starb 1998 in den USA bei einem Autounfall.

Nach mäßig erfolgreichen ersten Anläufen als Schlagersängerin verließ Lyngstad 1969 ihre Familie und verlobte sich 1970 mit ihrem ein Jahr jüngeren Musik-Partner Benny Andersson. Das wurde dann eine Hälfte des Pop-Quartetts Abba, die andere bildete das ebenfalls verlobte Musikerpaar Agnetha Fältskog (heute 60) und Björn Ulväus (65). Der Rest ist Musikgeschichte mit Welthits wie «Dancing Queen», «Money, Money, Money», «Mamma Mia», «Thank You For the Music» und «Take A Chance On Me».

Das private Glück der rothaarigen Sängerin zerbrach schneller als die musikalische Zusammenarbeit: Lyngstad und Andersson ließen sich 1981 scheiden. Nach dem Ende von Abba zwei Jahre später lernte die Sängerin den deutschen Golfplatzarchitekten Ruzzo Prinz Reuß von Plauen kennen und lieben, sie heirateten 1992. Sieben Jahre später starb der dritte Ehemann der Schwedin an den Folgen einer Krebserkrankung.

Ihre letzte Solo-CD brachte Anni-Frid 1996 heraus. Hin und wieder trägt sie ein Lied zu Projekten von Freunden bei, wie zuletzt den Cat-Stevens-Klassiker «Morning Has Broken» auf einer CD des schwedischen Jazzgitarristen Jojje Wadenius. Vor zwei Jahren tanzte Reuß-Lyngstad auch mal mit der Ex-Abba-Kollegin Fältskog und Hollywood-Star Meryl Streep auf einer Stockholmer Straße: Reklame für die Filmversion des Abba-Musicals «Mamma Mia».