Während Bölls Bedeutung als «guter Heinrich», als moralische Instanz der alten Bundesrepublik unumstritten ist, wird sein literarischer Rang heute mehr denn je angezweifelt. Seine Themen - etwa die Auseinandersetzung mit dem Katholizismus - berühren Leser kaum noch, sagen die Kritiker. Und seine unbeholfene Art, über Sex zu schreiben, stoße gar ab. Zudem belastet ihn seine Vergangenheit als ungeliebte Schullektüre.

Prof. Schnell ist, wie man sich denken kann, anderer Meinung: «Es gibt Werke wie die "Katharina Blum" oder "Billard um halbzehn", die immer noch relevant sind.» Die Werkausgabe erschließe dem Leser zudem einen sehr viel komplexeren Böll. «Die Reduktion "Böll als Gewissen der Nation" wird revidiert», meint auch Schubert. «Man kann Böll mit dieser Ausgabe neu entdecken.» Eine Taschenbuchversion wird schon vorbereitet.

Werkausgabe Heinrich Böll